Außenmikrofon mit DFL-Bundesliga-Logo (Bild: S. Sonntag/imago)
S. Sonntag/imago
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Draufgehalten, 22.01.2018 - Ein Rüffel zur rechten Zeit

Die Deutsche Fußball-Liga DFL ist der Dachverband der deutschen Profi-Klubs. Zu Beginn eines jeden Jahres gibt die DFL einen Empfang. Was die Vereins-Vertreter dieses Mal zu hören bekamen, dürfte ihnen die Sprache verschlagen haben: Zu genügsam, zu anspruchslos - und vor allem international zu schwach, so das Urteil von DFL-Boss Seifert über die Bundesliga. Für diese Fundamental-Kritik war es höchste Zeit, meint Thomas Kroh in seiner Kolumne “Draufgehalten“.

Da wird der Arthus-Runde des deutschen Fußballs der gebeizte Gewürzlachs auf Auberginen-Caponata von der blank polierten Dinner-Forke gerutscht sein. Ich sehe sie vor mir, diese Ansammlung blasierter Erfolgsmenschen, verwandelt in ein Auditorium aus offenen Mündern, in denen der Zerkleinerungsvorgang edler Speisen ins Stocken geraten ist. Und all die Unantastbaren fragen sich, ob der Kerl da oben in der Kanzel nicht mehr alle Ziegel auf dem Dach hat.

Aber ungeachtet hochgezogener Augenbrauen und verstörter Blicke gibt Seifert den Bösen Onkel und liest den Versammelten die Leviten als wären sie verzogene Schulbuben und nicht die Macher respektabler Unternehmen.

Seifert spricht ruhig - über das desaströses Abschneiden der Bundesliga im Europa-Cup, das die Betroffenen schönreden - auch Hertha-Manager Preetz. Der DFL-Chef fordert eine intakte Liga-Spitze aus mehreren Klubs, die international nicht länger unter den Rasen gepflügt wird und national einen spannenden Wettbewerb zu liefern vermag. Seifert warnt vor Selbstgefälligkeit und Mittelmaß.

Und er nuschelt auch nicht verschämt ein Thema weg, das hierzulande regelmäßig bürgerkriegsähnliche Zustände zwischen Ultras und Establishment hervorruft. Wenn die Bundesliga erfolgreich sein wolle, dann müsse sie sich zu einem gewissen Maß an Kommerz bekennen, so Seifert.

Die Engländer haben akzeptiert, dass Fußball ein Milliarden-Geschäft ist. Spektakuläre Wechsel von Spielern selbst innerhalb einer Saison locken auf der Insel keinen Fan mehr hinter dem Tresen hervor. In Deutschland hingegen bricht bei jedem Transfer ein Kulturkampf los.

DFL-Boss Seifert gilt Traditionalisten als Totengräber des Fußballs. Aber der Mann hat die Zeichen der Zeit erkannt, auch wenn sie düster sein mögen. Wer sich weiter daran ergötzen möchte, wie die Bundesliga im eigenen Saft schmort - bitteschön. Ich für meinen Teil wäre entzückt, wenn zum Beispiel Hertha BSC nicht an Murkel-Vereinen wie Östersund oder Luhansk scheitern würde. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen, ohne dass sich ein selbstgefälliger Fußball-Manager beim Neujahrs-Dinner verschluckt.

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Hertha BSC - Olympiastadion (Bild: dpa)
dpa

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