Stefan Effenberg
imago/Eduard Bopp
Bild: imago/Eduard Bopp

Draufgehalten | 10.12.2018 - Her Gil, der Tiger und die Volksbank Bad Salzungen

Der frühere deutsche Fußball-Nationalspieler Stefan Effenberg arbeitet seit diesem Herbst als Kundenberater für eine kleine Genossenschaftsbank in Thüringen. Das wäre nicht weiter erwähnenswert, wenn in diesem Zusammenhang nicht der Name Atlético Madrid auftauchen würde. Und deshalb beschäftigt sich Thomas Kroh in seiner Kolumne "Draufgehalten" mit den Finanzierungsgeschäften im Profi-Fußball.

Bad Salzungen war bislang - wenn überhaupt - bekannt als Kurort. Miguel Ángel Gil ist das Städtchen aber nicht wegen seines Sole-Heilbades ein Begriff, sondern wegen seiner Volksbank-Raiffeisen-Bank.

Gil besitzt die Mehrheit an Atlético Madrid, einer der ersten Adressen des europäischen Fußballs. Im Gegensatz zum übermächtigen Stadtrivalen Real kokettiert Atlético gern mit seinem Ruf als Arbeiterverein. Das ist so, als würde Friedrich Merz sagen, er könne sich nichts Schöneres vorstellen als unter Annegret der CDU zu dienen.

Atlético hat in jüngerer Vergangenheit unter anderem die spanische Meisterschaft gewonnen und die Europa League. Alles sehr schön, wenn da nicht laut Nachrichten-Magazin "Der Spiegel" im Sommer 2017 kurzfristige Verbindlichkeiten in Höhe von rund 214 Millionen Euro in der miesen Bilanz gestanden hätten, rund acht Mal mehr als noch drei Jahre zuvor.

Senõr Gil benötigt ständig Cash, um den Laden am Laufen zu halten. Und hier kommen die Genossenschaftsbanker aus Thüringen ins Spiel. Ein Insider der Investmentfirma Score Capital aus München habe, so "Der Spiegel", dem Spanier 10 Millionen Euro vermittelt. Dieses Darlehen stammt von der VR-Bank Bad Salzungen. Aber warum ausgerechnet von einem popeligen Kreditinstitut aus der ostzonalen Provinz? Gibt es da Verbindungen?

In den Aufsichtsräten von Score Capital/München und VR-Bank/Bad Salzungen sitzt - laut "Spiegel" - Dieter Althaus, der frühere Ministerpräsident von Thüringen. Deshalb hat das Nachrichten-Magazin Althaus gefragt, ob er mit dem Deal zu tun gehabt habe; der ehemalige Regierungschef sagte, er sei nicht in das Geschäft involviert gewesen.

Sie fragen jetzt vielleicht, warum sind die Vereine überhaupt so klamm, wenn sie doch neben den horrenden Fernseh-Geldern auch noch irrwitzig hohe Ablösesummen für Spieler kassieren? Nun, so eine Ablöse wird meist in Raten gezahlt. Und deshalb nehmen Klubs kurzfristige Kredite auf, zu absurd hohen Zinsen, die sie wenig später mit dem Geld aus der nächsten Rate zurückzahlen. 

Die 10 Millionen Euro aus Bad Salzungen sind da offenbar nur Peanuts, denn laut "Spiegel" fließen jährlich hunderte Millionen Euro von Investoren und Banken in den Fußball-Markt, Millionen die zwar noch nicht auf den Festgeldkonten der Vereine liegen, aber von den Klubbossen schon fröhlich verpulvert werden. Finanz-Experten sehen darin beste Voraussetzungen für eine Spekulationsblase.

Aber die Genossenschaftsbanker von Bad Salzungen müssen sich keen Kopp machen. Sie werden von Stefan Effenberg ja bestens beraten.