Hertha-Spieler Valentino Lazaro jubelt nach dem Sieg gegen Mönchengladbach
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Draufgehalten | 24.09.2018 - Endlich wieder Respekt für Berlin!

Hertha BSC mischt die Fußball-Bundesliga auf. Das ist erfreulich für den Verein, aber auch für Berlin. Denn die Stadt braucht dringend positive Schlagzeilen, meint Thomas Kroh in seiner Kolumne "Draufgehalten".

Arm, aber sexy! Ein cooler Werbe-Slogan für einen studierten Juristen wie Herrn Wowereit, der beim Flughafenbau als Oberaufseher epochal scheiterte. Arm ist Berlin immer noch, aber auch immer noch sexy?

Also ich finde die Stadt inzwischen so anziehend wie ein Dixi-Klo, denn genauso riecht sie auch - etwa unter dem U-Bahn-Viadukt an der Schönhauser Allee oder am S-Bahnhof ICC/MesseNord, wo Fußgänger auf einem Teppich aus Zigaretten-Kippen und Scherben lustwandeln. In der Revaler Straße lungern am helllichten Tag Drogendealer unbehelligt herum, dort wo Kinder den Weg zur Skaterhalle nehmen.

Die Wohnungsnot grassiert, die S-Bahn kommt auf die hanebüchene Idee, ihre Verspätungen abzubauen, indem sie ihre Züge nicht mehr an allen Bahnhöfen halten lassen will, in der Linksradikalen-Festung Rigaer Straße fliegen Pflastersteine von Dächern auf Polizeiautos, Neonazis marschieren am Todestag des Hitlerstellvertreters Heß auf, kriminelle Araber-Clans versammeln sich wie im Paten zur Beerdigung eines ihrer berüchtigten Gangsters und Juden fühlen sich ihres Lebens nicht mehr sicher; ich könnte die Aufzählung endlos fortsetzen.

Und was treibt der Rot-Rot-Grüne Senat? Er lehnt verstärkte Videoüberwachung ab und begnügt sich mit anlassbezogener Observation, so dass sich die Stoffanbieter im Görlitzer Park wie ehrbare Kaufleute vorkommen dürfen. Der Senat lässt Fahrradwege grün anstreichen und schiebt abgelehnte Asylbewerber nur selten ab. Dafür beschäftigt er sich in seinem Koalitionsvertrag mit einer zu erlassenden Schutzordnung für freilaufende Katzen und ausgiebig mit den Projekten verschiedenster Minderheiten, wie queeren Jugendzentren und Mehrelternschaften, die bei der Mehrheit der Bevölkerung nur ein verwirrtes "Hääää?" hervorrufen.

Nein, sexy finde ich dieses arme Berlin nicht mehr. Umso schöner, dass ausgerechnet die so oft geschmähte Alte Dame dafür sorgt, dass zumindest Fußball-Deutschland wieder mit Respekt auf diese Stadt blickt. Ich hoffe, dass dies auch nach den anstehenden Spitzenspielen gegen Werder und Bayern so bleibt.

Die Voraussetzungen lassen verhaltenen Optimismus angebracht erscheinen: Das Trainergespann Dardai/Widmayer hat die Mannschaft kontinuierlich weiterentwickelt, die Elf spielt diszipliniert und gleichzeitig attraktiv, eigener, hochtalentierter Nachwuchs verpasst dem gesichtslosen Klub ein Bild cooler Jungs von der Spree und der lange Zeit umstrittene Manager Preetz hat zuletzt bei der Verpflichtung neuer Spieler erstklassig gearbeitet.

Hätte im Leben nicht gedacht, dass ich einmal rufe: Ha, ho, he - Hertha BSC!