Enttäuschte Maria Höfl-Riesch
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Draufgehalten, 15.01.2018 - Der Niedergang des deutschen Leistungssports

Die Winterpause in der Fußball-Bundesliga ist vorüber. Jetzt richten sich die Fernseh-Kameras wieder auf Bayern & Co.. So gut wie alle anderen Sportarten befinden sich in Deutschland auf dem absteigenden Ast. Thomas Kroh fragt sich in seiner Kolumne "Draufgehalten": Warum ist das so? Und warum wird Leistungssport so gering geachtet?

Der Leistungsabfall im deutschen Spitzensport ist so dramatisch wie das peinliche Gemauschel um eine Regierung ermüdend. Bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona gewannen deutsche Athleten 82 Medaillen, vor zwei Jahren in Rio kamen sie gerade noch auf gut die Hälfte.

Selbst in der Bilanz des Wintersportes geht es so rasant abwärts wie auf der Streif in Kitzbühel. Und das, obwohl Körperertüchtigung bei Temperaturen unterhalb des Gefrierpunktes in weiten Teilen der Welt im besten Fall als skurril angesehen und deshalb lediglich von spinnerten Eigenbrötlern betrieben wird. Dennoch erkämpften deutsche Sportler bei den vergangenen Winterspielen in Sotschi nur 19 Medaillen, 2002 in Salt Lake City waren es noch 36.

Die Liste mit den Gründen für den Niedergang des Leistungssports ist so lang wie der Schuldenberg dieses Landes hoch. Da sind die Doping-Skandale und Korruptions-Affären, die den Ruf des Spitzensports nachhaltig geschädigt und die Olympischen Ringe von einem begehrten Motiv für Tattoos in ein Brandzeichen der Schande verwandelt haben.

Zudem hat das dünkelhafte IOC-Geschmeiß die Bürger traditionsreicher Sportnationen mit seinem Größenwahn verschreckt. In Pyeongchang hingegen, dem Absurdistan Olympischer Winterspiele, durften noch fröhlich Wälder geschreddert werden, um Platz für Pisten zu schaffen.

In Deutschland darbt der Leistungssport aber nicht nur, weil es ihm an gesellschaftlicher Anerkennung fehlt, sondern auch an Vorbildern. Welchem Schwimmer sollen Kinder denn nacheifern? Ohnehin mangelt es an Nachwuchs, egal ob im Tennis oder im Eisschnelllaufen, wo Claudia Pechstein mit 45 Jahren national immer noch konkurrenzlos ihre Runden dreht.

Der Schulsport ist eine Katastrophe, gut ausgebildete Trainer sind knapp, dafür häufig schlecht bezahlt, so wie die meisten Athleten, die laut einer Studie der Sporthilfe im Schnitt knapp 700 Euro verdienen. 700 Euro! Da muss einer schon ganz schön bekloppt sein, wenn er angesichts solch lächerlichen Salärs neben Studium oder Ausbildung noch 30 Stunden die Woche trainiert.

Die Prämie für eine Goldmedaille in Rio betrug 20.000 Euro. Jeder abgehalfterte Y-Prominente kassiert mehr, wenn er im Fernseh-Urwald seine schlaffe Haut zu Markte trägt. In Deutschland ist ein depperter Dschungelkönig eben mehr wert als ein Olympiasieger. Jedes Volk bekommt nicht nur die Regierung, sondern auch die Idole, die es verdient.

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Hertha BSC - Olympiastadion (Bild: dpa)
dpa

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