Bundestrainer Joachim Löw aus Deutschland gestikuliert an der Seitenlinie.
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Draufgehalten | 15.10.2018 - Der nächste Tiefpunkt kommt bestimmt

Der frühere Teamchef der deutschen Nationalelf Rudi Völler hatte sich einst darüber aufgeregt, dass die Sportberichterstatter immer neue Tiefpunkte erfinden würden. Nun, nach dem 0:3 der DFB-Auswahl in den Niederlanden steht für Thomas Kroh fest: Ein neuer Tiefpunkt ist erreicht. Und genau diesem Punkt widmet er sich in seiner Kolumne "Draufgehalten".

Es könnte wahrlich ein Goldener Oktober sein. Der Klimawandel hält, was die Werbung einst versprach; als würde der Sommer tatsächlich nie zu Ende gehen. Love & Peace auf Berlins Straßen. Während die Einen in Mitte für eine offene Gesellschaft demonstrieren, lächeln Micaela und Schnuggi91 überlebensgroß in verführerischen roten Bikinis von Plakatwänden und laden eben diese offene Gesellschaft zur Erotikmesse Venus ein, ...

... was zur Folge hat, dass am helllichten Tag auf dem S-Bahnhof ICC Männer mit Strass besetzten Hasenohren auf der holen Birne anlanden, begleitet von nicht minder unterbelichteten Gesinnungsgenossen, deren T-Shirts über ihr Begehren keinerlei Zweifel aufkommen lassen; denn auf der Brust prangt bestens leserlich das in der Gossensprache gebräuchliche Wort für den Liebesakt. Aber, cool Mann: Goldene Zeiten!

Wenn da nicht diese deutsche Nationalelf wäre, die sich von einer nicht mehr als halbwegs talentierten Mannschaft unseres fußballerischen Erbfeindes vorführen lässt wie eine Gymnasiastencombo. Und der unfähige Bundestrainer, der längst entlassen gehört, rudert am Spielfeldrand mit den Armen als wäre er eine Marionettenpuppe und der Fußball-Gott mache sich einen Spaß, in dem er wahllos an den Fäden zieht.

Die Mannschaft wirkt ausgebrannt und wird überrollt, wenn die Holländer das Tempo anziehen. Der Bundestrainer? Hilflos! Mal sehen, ob er - wie nach dem Russland-Debakel - wieder die Verantwortung übernimmt, wenn's morgen gegen Frankreich die nächste Klatsche geben sollte, worauf sie angesichts des erbärmlichen Zustandes der DFB-Auswahl ruhig Oma ihr klein Häuschen wetten können.

Aber nicht nur der Bundestrainer schwafelt lediglich von Verantwortung: So hat etwa Frau Merkel ebenfalls Verantwortung übernommen - für eine umstrittene Flüchtlingspolitik, in deren Folge durch das Land geht kein Ruck geht, sondern ein Riss so tief und breit wie der Grand Canyon und die AfD zur größten Oppositionspartei aufsteigen konnte, aber im Kanzleramt wird weitergemerkelt. Und im Dieselskandal schieben die Autobosse gar jegliche Verantwortung dem mittleren Management in die Schuhe.

Der Neuanfang beim DFB nach dem Desaster bei der WM in Russland ist jedenfalls jetzt schon gescheitert: Der Riese im Tor wankt, die Innenverteidiger verfügen über den Antritt einer Wanderdüne, die auf den Außenpositionen sind überfordert, der Spielmacher ist nicht in der Lage, die Mannschaft zu führen und während mit Sané eines der größten Versprechen auf die Zukunft wieder nur auf der Bank hockt, avanciert im Sturm ein Mann zum 100. Nationalspieler unter Herrn Löw, der in dieser Saison noch nicht ein einziges Tor erzielt hat.

Und so wurschtelt der selbsternannte Visionär Joachim weiter, bis der viermalige Weltmeister aus der Spitzengruppe der Nations League abgestiegen sein wird. Kann nicht mehr lange dauern, bis der nächste neue Tiefpunkt erreicht ist.