Römer spielen bejubeln den Sieg gegen Barcelona
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Draufgehalten | 16.04.2018 - Aufstand des Fußball-Prekariats

Geld schießt zwar Tore, garantiert aber auch im Milliarden-Geschäft Fußball nicht immer den großen Erfolg: Eine wundervolle Erkenntnis, findet Thomas Kroh in seiner Kolumne "Draufgehalten".

Die Scheichs aus den sandigen Emiraten würden ihre kickenden Leibeigenen wahrscheinlich am liebsten in die Wüste schicken - und zwar in ihre eigene.

Die Kataris etwa haben Paris St. Germain allein zwei Stürmer für 400 Millionen Tacken spendiert. Scheich Mansour aus Abu Dhabi soll inzwischen rund 1,7 Milliarden Euro in Manchester City gepulvert haben. Und was kommt dabei heraus? Ein paar popelige Landesmeisterschaften. MEGA!

Nun handelt es sich beim FC Liverpool auch nicht um einen Arme-Leute-Verein - Trainer Klopp, der Hulk von der Anfield Road, hat gerade 84 Millionen Dublones für einen Verteidiger rausgehauen, auch noch einen holländischen - aber im Vergleich mit ManCity nimmt sich Liverpool eben doch aus wie eine Kik-Filiale neben dem KDW. Und dennoch ballern die Reds ManCity aus der Champions League - samt ihrem "Top-Top-Top-Trainer" Guardiola.

Und dann fegt auch noch der darbende AS Rom das gloriose Barcelona mit dem Götter gleichen Iniesta aus dem Stadion. Die Italiener sind so arme Schlucker, dass sie in der Liste der zwanzig umsatzstärksten Vereine gar nicht mehr auftauchen, gehören also zum Fußball-Prekariat.

Und so sehen sie auch aus. Der alternde Daniele de Rossi gleicht mit seinem Gesichtsgestrüpp von Bart einem Robinson Crusoe auf Heimaturlaub. Und der belgische Kampfhund Nainggolan, der mit seinem raubeinigen Gegrätsche jeden hingebungsvollen Rasenpfleger in den Wahnsinn treibt, ist im wahren Sinne des Wortes bis unters Kinn zugehackt; ziert doch eine Bud-Spencer-Faust große tätowierte Rose seinen Kehlkopf. Übrigens, de Rossi hat nen Teletubbie auf dem Arm. Wie crazy ist das denn?

Aber MEGA, wenn solche Trümmer-Truppen in einer Zeit, in der ein Spieler, der auch nur halbwegs unfallfrei geradeaus laufen kann, nicht unter 20 Millionen zu kriegen ist, plötzlich im Halbfinale der Champions League stehen. Da macht Fußball wieder Spaß. Und noch besser wäre es, wenn sich die Scheichs selbst in die Wüste schicken würden. Bei der Gelegenheit könnten sich die russischen Oligarchen auch gleich in den Kreml verziehen und asiatische Investoren sollten dann ihre Kohle beim Roulette in Macau verbraten und nicht im europäischen Fußball!

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Hertha BSC - Olympiastadion (Bild: dpa)
dpa

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