- Die Gropiusstadt – 40 Jahre nach Christiane F.

Vor 40 Jahren kam der Film "Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" in die Kinos. Einer der Handlungsorte ist die Gropiusstadt, dargestellt als ein Vorstadt-Ghetto, in dem Kinder verwahrlosen. Christine Werner hat eine alte Freundin besucht, um herauszufinden, wie es sich heute in der Gropiusstadt lebt.

Gropiusstadt kennen viele nur als düsteres Hochhaus-Ghetto aus dem Film "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" über das Leben der jungen Drogenabhängigen Christiane F. Der Film hat so manches Bild von Berlin geprägt. Schon damals markieren die U-Bahnhaltestelle Britz-Süd und die Fritz-Erler-Allee im Südosten Berlins den Anfang der Gropiusstadt, jene Gebäudeanlagen, die bis zu 20 oder 30 Stockwerke haben können.


Gropiusstadt – schlichte Fassade mit grünem Ausblick


Sabine wurde 1960 geboren, 1964 ist ihre Familie in die Gropiusstadt gezogen. Sabines Mutter wohnt noch immer hier, sechster Stock. Die Wohnung hat zweieinhalb Zimmer, schmale Küche, enges Bad, 64 Quadratmeter. Zwei Erwachsene und vier Kinder haben hier gewohnt. Heute ist das kleine ehemaligen Kinderzimmer eine Bar. Statt Stockbetten steht da ein Tresen mit Eierlikör und Knabberzeug. Zum Balkon geht es durchs Wohnzimmer – und der Blick bietet dann den totalen Kontrast: Da ist Weite und alles ist grün, über Baumkronen guckt man bis zum Alexanderplatz.


Klobigkeit und Weite gehören in der Gropiusstadt zusammen


Licht, Luft und Sonne – das war der Plan von Walter Gropius für das Viertel. Die Häuser sollten nicht mehr als fünf Geschosse haben. Durch den Mauerbau 1961 fehlte es aber an Fläche, die Gropiusstadt wurde in die Höhe gebaut. Über 37.000 Menschen leben heute hier, seit 2002 ist Gropiusstadt ein eigener Ortsteil in Neukölln. Die meisten Häuser haben jetzt über 10 Stockwerke, stehen da wie überdimensionale Bauklötze – wuchtig, kantig, abweisend. Fast alle grau oder weiß. Dazwischen sind breite Rasenflächen, dazu Bäume, Hecken, Sträucher und Trampelpfade, hier und da ein paar Einfamilienhäuser, Kinder rennen über Spielplätze.


Gropiusstadt hat heute kein Drogenproblem mehr


Ein paar Schritte weiter steht die Walter-Gropius-Schule, die bei der Eröffnung 1968 eines der modernsten Schulgebäude und die erste Gesamtschule West-Deutschlands war. Es gab Schulessen, Werkstätten, ein großes Sportangebot – und Mitte der 1970er, in Christiane und Sabines Jugend, ein Drogenproblem. Dieses hat sich aber heute normalisiert, die Gropiusstadt fällt weder mit Drogen noch anderen Besonderheiten in Berlin auf.

Aufschwung und Bildung in der Gropiusstadt


Seit "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" ist viel passiert. Das Quartiersmanagement kümmert sich seit 15 Jahren gemeinsam mit Bewohnern um das Viertel. Sie wollen es beleben, die Gemeinschaft stärken und initiieren Nachbarschaftshilfen, Sportangebote, Müll-Sammel-Aktionen. Aktivitäten, die es zu Zeiten von Christiane F. noch nicht gab. Am "Campus Efeuweg" entsteht ein Fortbildungszentrum für Eltern und Kinder und um die Ecke liegt das modernisierte Oberstufenzentrum Lise-Meitner, das mit Unternehmen wie Bayer oder dem Biotechnologieunternehmen Microcoat kooperiert. Für Außenstehende sind solche Fortschritte oft gar nicht sichtbar.