Das Haus der Statistik an der Otto-Braun-Straße Ecke Karl-Marx-Allee am Alexanderplatz mit den Worten "Allesandersplatz" an der Fassade. Hier soll ein Stadtviertel mit Wohnungen, Büros, Künstlerateliers und einem sogenannten "Rathaus der Zukunft" entstehen.
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Bild: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jens Kalaene

- "Allesanders"platz: Ein gemischtes Stück Stadt

Berlin-Alexanderplatz. Eine der prominentesten Adressen in Berlin. Für seine Schönheit war der Alex bisher nicht bekannt. Das soll sich jetzt ändern. Von Anna Corves

"Allesandersplatz" prangt in weißen Lettern am obersten Stock vom Haus der Statistik am Alexanderplatz. Die Devise von Frauke Gerstenberg und ihren Mitstreitern von der Genossenschaft ZUsammenKUNFT. Denn hier, zwischen Karl-Marx-Allee, Otto-Braun-Straße, Moll- und Berolinastraße, auf einer Fläche von knapp fünf Fußballfeldern, soll tatsächlich alles anders werden: "Ein gemischtes Stück Stadt wollen wir haben" sagt Gerstenberg.

 

Ein zentrales Stück Stadt, das sich alle leisten können

 

Ein zentrales Stück Stadt, das sich alle leisten können: Mieter, Kleingewerbe, gemeinwohlorientierte Projekte. Diese Vision keimt im Jahr 2015, als Künstler der Allianz bedrohter Atelierhäuser ein großes Plakat an dem Gebäude hissen: Das "Haus der Statistik" - in der DDR Sitz der Statistikbehörde und seit 2008 leer stehend - solle zu einem Hort für Kunst, Kultur und Soziales werden. Verschiedenste Akteure aus der Zivilgesellschaft, die zum Thema Stadtraum arbeiten, schließen sich zu einer Initiative zusammen.

Seit 2019 können sich so genannte Pioniernutzer in Haus A und den angrenzenden Gebäuden austoben: Doch die günstigen Räume – drei Euro Miete pro Quadratmeter - sind heißbegehrt. Besonders bei Initiativen, die sich mit der nachhaltigen Nutzung von Materialien wie Holz, Textilien, Metall oder Kunststoff beschäftigen. Wie die „Materialmafia“, die Reste von Baustellen oder Messen hier sammelt und günstig abgibt. Oder die "Mitkunstzentrale", zu der der Künstler Erik Göngrich gehört.

Ein Glücksfall am Alex

 

Für ihn sind die Experimentierräume am Alex ein Glücksfall, sagt er: Weil sich hier zwischen den Initiativen eine wirklich fruchtbare Zusammenarbeit entwickelt habe. Und weil die zentrale Lage die Chance biete, gesellschaftliche Veränderungen und Diskussionen in der Stadt anzustoßen. Doch die Nutzung ist befristet - teils bis Ende Juni, teils bis 2022. Weil dann Sanierung und Neubau losgehen. Wie es danach weitergeht, hängt primär vom Wahlergebnis im September ab.

Pioniere wie Erik Göngrich sollen hier bleiben können, heißt es bisher von denen, die das Areal entwickeln: Genossenschaft, Bezirk Mitte, Land Berlin und zwei weitere Partner, die bei diesem Projekt auf ungewöhnlich gleichberechtigte Weise kooperieren. Sie haben vereinbart, dass die 46.000 Quadratmeter Bestandsgebäude größtenteils erhalten bleiben, saniert werden. Und ergänzt werden um 66.000 Quadratmeter Neubau. Den städtebaulichen Siegerentwurf lieferten die beiden Architekturbüros "Treibhaus Landschaftsarchitektur Hamburg" und "Teleinternetcafé" aus Berlin.

 

Was kommt nach den Wahlen?

 

Die Genossenschaft ZUsammenKUNFT macht sichSorgen, dass die Wahl zum Abgeordnetenhaus im September den Konsens mit der Politik gefährden könnte. Bisher stünden die Pläne nur in einer Kooperationsvereinbarung - und das sei kein Vertrag, sagt Frauke Gerstenberg.

Wichtige Beschlüsse seien noch nicht in trockenen Tüchern. Zum Beispiel, dass sie 1/5 des Areals für kulturelle und soziale Projekte nutzen können. Ephraim Gothe, der Baustadtrat von Mitte, SPD, kennt diese Sorgen. Er kann nicht ausschließen, dass eine andersfarbige Regierungskoalition etwa mehr Flächenanteile für Verwaltungszwecke reklamieren könnte.

Gleichzeitig habe das Projekt "Haus der Statistik" inzwischen aber auch bundesweit eine solche Aufmerksamkeit erreicht, dass es nicht mehr grundsätzlich zu kippen sei.