Protest gegen Heimstaden und für das Vorkaufsrecht am Wildenbruchplatz 3
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Protest gegen Heimstaden und für das Vorkaufsrecht am Wildenbruchplatz 3 | Bild: rbb/Wolf Siebert

- MieterInnen fordern vom Bezirk: "Kauft unsere Häuser!"

Die schwedische Heimstaden-Gruppe hat mehrere Tausend Berliner Wohnungen gekauft. Mieterinnen und Mieter haben Angst, dass ihre Wohnungen in Eigentum umgewandelt werden. Senat und Bezirke versuchen mit dem Investor, das zu verhindern. Aber die Zeit wird knapp.

Rentnerin Doris will unbedingt bleiben, in ihrer kleinen Wohnung am Wildenbruchplatz 3 in Neukölln. Seit 36 Jahren wohnt sie hier und hat - noch - eine günstige Miete. Aber sie hat Angst, dass sich das durch den neuen Eigentümer, die schwedische Heimstaden-Gruppe, ändern wird.

Die Mieterinnen und Mieter der Häuser, die Heimstaden gekauft hat, haben sehr schnell eine Protestbewegung aufgebaut. Sichtbar im Netz und an diesem Abend auch auf der Straße, in Friedrichshain: Demonstration vor der Bezirksverordnetenversammlung. Mieterin Jagna spricht aus, wovor viele Angst haben: Dass sie ihre Mietwohnung verliert, weil die in eine Eigentumswohnung umgewandelt wird.

MieterInnen der Wilde3
MieterInnen der Wilde3 | Bild: rbb/Wolf Siebert

Die Mieterinnen und Mieter wollen der Bezirksverordnetenversammlung Mut machen - aber auch Druck: "Kauft unsere Häuser!" Zwar hat Heimstaden einen Kaufvertrag. Da aber viele Häuser in Milieuschutzgebieten liegen, kann das Bezirksamt noch dazwischengehen: Denn der Bezirk hat ein Vorkaufsrecht. Das Problem: Der schwedische Heimstaden-Konzern hat in mehreren Berliner Bezirken eingekauft, 143 Häuser, für gut 830 Millionen Euro, rund die Hälfte der Häuser hat Milieuschutz. Alle mit Steuergeld kaufen? Unmöglich. Denn zum Jahresende sind die öffentlichen Töpfe, die man anzapfen könnte, ziemlich leer.

Einen Steinwurf entfernt liegt das Haus Finowstraße 22. Auch hier stehen an diesem Sonntag Mieterinnen und Mieter zusammen. Sie sprechen über eine Veranstaltung aller Häuser, bei der Informationen ausgetauscht wurden.

Protest gegen den Immobilienkonzern Heimstaden
Protest gegen den Immobilienkonzern Heimstaden | Bild: rbb/Wolf Siebert

Auf dem Rasen des Innenhofs liegen Transparente: "Die Wohnungen denen, die drin wohnen", ist eine Forderung. Auch diese Mieter machen sich Sorgen. Im ersten Halbjahr 2020 wurden nämlich in Berlin rund 5900 Miet- in Eigentumswohnungen umgewandelt, rund 4800 lagen in Milieuschutzgebieten. Denn auch in diesen Gebieten kann - ganz legal - eine Wohnung umgewandelt werden, wenn die Mieterinnen und Mieter sieben Jahre ein Vorkaufsrecht bekommen.

Bezirke und Senat ziehen in der Heimstaden-Frage an einem Strang, haben eine Arbeitsgruppe gebildet, die mit dem Immobilienkonzern verhandelt.