Symbolbild: Elsenbrücke ist eine der Berliner Brücken, die saniert wird (Bild: dpa/ picture alliance/ Annette Riedl)
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- Brückenumbau bei laufendem Verkehr

Wenn Brücken marode sind, dann wird es durch Endlosstaus und weite Umfahrungen häufig eng. Die Elsenbrücke in Berlin zwischen Treptow und Friedrichshain sowie die Allendebrücke in Köpenick sind zwei dieser Problembrücken. Die alten Überfahrten werden abgerissen und neu gebaut - das Ganze natürlich auf engstem Raum und bei dichtem Verkehr. Inforadio-Reporter Thomas Rautenberg hat sich auf den Baustellen umgeschaut.

Es ist laut auf der Elsenbrücke zwischen Treptow und Friedrichshain. Und das liegt nicht nur an den Autos, die sich hinter der provisorischen Leitplanke über den verbliebenen Teil der Spreequerung stauen. Krach machen vor allem die schweren Baumaschinen, mit denen der südöstliche Teil der Brücke zum Abriss vorbereitet wird. Eine Asphaltfräse hat gerade die alte Fahrbahndecke heruntergekratzt. Es staubt, riecht nach Feuer, nach heißem Teer. Aus den Brückenrändern werden große Betonstücke herausgesägt. Wo früher Radler langgefahren sind, klaffen Löcher, geht es jetzt zehn bis 15 Meter in die Tiefe.

Stützkorsett für die Elsenbrücke


Einfach "Wegknacken", wie bei anderen maroden Brücken, geht bei der Elsenbrücke nicht. Zuerst muss eine Art Stützkorsett gebaut werden, dass die Tausenden Tonnen Beton der defekten Elsenbrücke beim Abriss auffangen kann. Besonders schwierig ist das oberhalb der Spree. Zwei Brücken-Teilstücke von je 65 Metern Länge und einem Gewicht von über 800 Tonnen müssen während des Abbruchs stabilisiert werden. Massive Stahlrohre, die von oben durch die alte Fahrbahn in den Spreeboden gebohrt wurden, spielen dabei die entscheidende Rolle, sagt der Brückenbauchef bei der Berliner Senatsverkehrsverwaltung Arne Huhn.


Riss an der Elsenbrücke seit 2018 bekannt


Im August 2018 entdecken Ingenieure bei Routinekontrollen einen etwa 25 langen und knapp 2 Millimeter dicken Riss in der Brückenkonstruktion. Offenbar sind Spannglieder, also dicke Stahlseile, die die Konstruktion auf Spannung halten, im Inneren der Brücke gerissen. Die Sicherheit ist nicht mehr gewährleistet, die östliche Hälfte der Elsenbrücke wird sofort gesperrt. Sanieren ist unmöglich, die Spreequerung, die täglich bis zu 60.000 Autos nutzen, muss abgerissen und neu gebaut werden. Kostenpunkt: Knapp 70 Millionen Euro. Die Zeit saß und sitzt nach wie vor allen im Nacken, sagt Projektleiter Huhn.

Behelfsbrücke über die Spree ab Herbst 2020


Im Frühherbst 2020 ist es soweit: Die alte Brücke wird zersägt und die tonnenschweren Teile Zentimeter für Zentimeter auf fünf große Schwimmpontons heruntergelassen. Auf der Spree geht dann vom 21. September bis zum 14. Oktober nichts mehr, die Durchfahrt wird für die Schifffahrt komplett gesperrt. Ist der Abriss erledigt, wird sofort der geplante Bau einer Behelfsbrücke beginnen. Ende des kommenden Jahres soll die fertig sein und den Fahrzeugverkehr aufnehmen - und zwar so lange, wie der derzeit noch intakte Brückenteil abgerissen und neu gebaut wird. Eile ist und bleibt geboten, sagt Arne Huhn von der Senatsverkehrsverwaltung.

 

Vorbereitungen zum Abriss der Elsenbrücke

Vollsperrung und Staus auch bei der Allendebrücke


Auch beim Neubau der Allendebrücke in Köpenick hatte man gehofft, dass die noch funktionsfähige Überfahrt so lange durchhalten würde, bis der erste neue Brückenteil freigegeben werden kann. Doch auch der machte schlapp. Das bedeutete Vollsperrung mit Endlosstaus in alle Richtungen. Berlins Brückenbauchef Arne Huhn denkt, dass es bei der Elsenbrücke nicht unbedingt besser laufen wird.

Nadelöhr Allendebrücke in Köpenick


Die Allendebrücke ist ein regelrechtes Nadelöhr. Dort geht es in diesen Tagen allerdings deutlich ruhiger zu, denn der westliche Brückenteil ist fertig. Der Verkehr rollt wieder, nachdem die Überfahrt wegen Baufälligkeit für viele Monate komplett gesperrt war. Es wirkt fast so, als hole die Baustelle kurz Luft für den bevorstehenden Abriss der östlichen Überfahrt. Noch in diesem Jahr soll er erfolgen.

Brückenabriss sorgte für großen Stromausfall


Ein Brückenabriss ist nicht ganz ungefährlich. Am 19. Februar 2019 hatte ein Bohrer bei den Brückenarbeiten die Hauptstromleitungen in Köpenick gekappt. 30.000 Haushalte und etwa 2.000 Betriebe waren für 31 Stunden ohne Strom. Es war der längste Blackout in Berlin seit dem Zweiten Weltkrieg. Passieren konnte das nur, weil die Hauptleitung und das Reservekabel unmittelbar nebeneinander im Boden lagen. Ein Blackout, wie im Winter 2019 jedenfalls soll sich nicht wiederholen.


Allendebrücke soll 2021 fertig sein – Elsenbrücke 2028


Mitte September geht es auch an der Köpenicker Allendebrücke wieder richtig los. Die Fahrbahn auf dem alten Brückenteil wird abgefräst, dann wird die Überfahrt zersägt und mit Hydraulikhebern auf Schwimmpontons heruntergelassen. 2021 soll dann die neue Überfahrt entstehen - doch bis es soweit ist, werden die Autofahrer auch hier die eine oder andere Stunde im Stau zu bringen.

Ende 2021 soll die Allendebrücke in Köpenick fertig sein. An der Elsenbrücke wird dann noch gebaut. Abriss, Behelfsbrücke, der Neubau beider Überfahrten unter vollem Verkehr - erst 2028 wird mit der endgültigen Fertigstellung gerechnet.