Zwei junge Männer sitzen auf einer Treppe und blicken in die Ferne. (Bild: dpa/picture alliance/Axel Bueckert)
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- Junge Leute ohne Zukunftsplan

Was willst du werden? Auf diese drängende Frage haben viele Jugendliche nach der Schule keine Antwort, zögern sie hinaus oder fühlen sich blockiert. Inforadio-Reporterin Jule Käppel hat einige von ihnen getroffen und versucht herauszufinden, warum es dieser Generation so schwer fällt, ihre berufliche Zukunft zu finden.

Anfang der Woche war eine Zäsur für viele junge Menschen, die eine Ausbildung beginnen. Spätestens jetzt werden Eltern langsam nervös und erhöhen den Druck zuhause. Bis aber diese Entscheidung gefallen ist, brauchen Eltern immer mehr Geduld und vielleicht einen klugen Ratgeber. Das Buch zum Massenphänomen der Planlosigkeit nach der Schule heißt "Wozu nach den Sternen greifen, wenn man auch chillen kann?".

Justin ist einer von diesen "planlosen" Jugendlichen. Er habe viele Möglichkeiten durch sein relativ gutes Abitur, sagt er, aber er sei noch sehr unentschlossen, was er machen möchte. Darum wolle er sich erstmal ein bisschen jobben, ein Jahr Auszeit nehmen, was bei Justins Mutter gar nicht gut ankomme. Aber an seiner Strategie halte er fest: Bloß nichts überstürzen, um am Ende souverän ins Ziel zu steuern.

Demotivation schon in der Schule

 

Die Autorin Ulrike Bartholomäus hat jungen Menschen wie Justin ihr Buch gewidmet. „Wir haben es geschafft als Gesellschaft, die Schule in etwas zu verwandeln, was ein ganz großer Teil als schrecklich empfindet“, sagt Bartholomäus. Dort würden viele demotiviert und mit wenig Antrieb in die nächste Stufe des Lebens reingängen. „Das finde ich ganz furchtbar.“

Strategische Handlungsplanung hätten viele Jugendliche nicht. So etwas reife mittlerweile erst um das 25 Lebensjahr herum, meint Bartholomäus. Die Ursachen dafür macht sie an drei Hauptgründen fest. Erstens das Entscheidungsdilemma, diese „brutale Auswahl an Möglichkeiten“, nennt die Autorin das, beispielsweise gebe es mittlerweile 19.000 Studiengänge. Davon würden viele erschlagen. Zweitens der soziale Druck und die einhergehende Transparenz des Lebens durch Social Media. Alles werde ständig von allen bewertet.

Eltern boxen die Probleme ihrer Kinder weg

 

Und drittens, und das ist für die Autorin der wichtigste Punkt, eine um sich greifende Unreife. Das Leben treffe die jungen Menschen zusehends unvorbereitet, auch weil viele Eltern es als ihre Pflicht ansehen, "die Probleme ihrer Kinder wegzuboxen".

Das helfe ihnen aber nicht in ihrer Entwicklung. Denn selbst die beste Mutter der Welt könne ihren Kindern die schwere Entscheidung der Jobwahl nicht abnehmen. "Nur du selber kannst entscheiden", sagt der 17-jährige Omar.

Buchtipp

Titel: Wozu nach den Sternen greifen, wenn man auch chillen kann?

Autorin: Ulrike Bartholomäus

Seiten: 304

Preis: 16,99€

ISBN: 978-3-8270-1388-0