Dromedare essen "Geburtstagstorte" zum 65. Jahrestag des Tierparks Berlin (Bild: dpa/ Fabian Sommer)
dpa/ Fabian Sommer
Bild: dpa/ Fabian Sommer

- Der Tierpark wird 65 Jahre alt

Mit 65 geht das Arbeitsleben eigentlich so langsam zu Ende. Für Institutionen gilt das nicht – und schon gar nicht für den Tierpark Berlin. Am Donnerstag feiert er sein 65. Jubiläum und startet noch einmal durch. Was das für Mensch und Tier heißt, hat sich Inforadio-Reporterin Sylvia Tiegs angesehen.

Obertierpfleger Michael Horn ist seit dem frühen Morgen im Dienst, aber voller Energie. Auf ihn wartet die Schafschur im Tierpark. Eine Heidenarbeit - aber Obertierpfleger Horn freut sich drauf. Denn endlich kommt der nagelneue Transportwagen für die Schafe zum Einsatz. Das ist nicht so banal, wie es vielleicht klingt. Der Transportwagen steht für den großen Aufbruch. Obertierpfleger Michael Horn - weiß-grauer Rauschebart, Lachfalten um die Augen - hat lange auf diesen Aufbruch gewartet.

Denn von der Beschilderung für die Besucher über die Restaurants bis zur Art der Tierhaltung: vieles war im Tierpark unansehnlich oder unmodern geworden. Nach 65 Jahren nicht verwunderlich - wenn nur nicht so lange so wenig dagegen getan worden wäre. Unter dem neuen Zoo-Chef Andreas Knieriem erneuert sich der Tierpark, Stück für Stück, von innen und von außen. Das kommt an, sagt - nicht ohne Stolz - Florian Sicks – der stellvertretende zoologische Leiter, der ursprünglich aus Frankfurt/ Main stammt.

 

 

Mitarbeiter im Tierpark

Was den Tierpark Ost vom Zoo West unterscheidet


Wer den Weg hierher findet, kommt aus tiefster Überzeugung. Der Stolz und die Zuneigung haben tiefe Wurzeln. Auch bei den Mitarbeitern. Viele waren schon als Kind Dauerbesucher im Tierpark - so wie Marco Rosenfeld, Reviertierpfleger bei den Gebirgs-Huftieren. Er hat 1988 im Tierpark gelernt.

Der Tierpark ist auch für die Mitarbeiter*innen ein Stück Heimat, das bleibt. Lange war das nicht sicher. Denn wie so vieles doppelt vorhanden war nach dem Mauerfall, gab es eben auch plötzlich zwei Zoos. Den in Tiergarten (auch wenn viele meinen, er stünde in Charlottenburg), und den Park in Friedrichsfelde. Warum nicht den jüngeren im Osten schließen?

Den Tierpark im Osten unterscheidet vom Zoo im Westen vor allem die Weite. Das bedeutet auch: die Tiere sind hier weiter weg von den Besuchern. Wer mehr Nähe möchte und nicht gerne läuft, ist hier falsch - lacht Revierpfleger Marco Rosenfeld, während seine bunt tätowierten Arme das Dienstfahrrad schieben.

Tiere sollen es besser haben - mehr Luft, Licht, Pflanzen


160 Hektar Fläche hat der Tierpark - er ist damit immer noch der größte in Europa. Der Zoologische Garten hat nur 35 Hektar. Größenvergleiche aber brauchen sie im Tierpark gar nicht, um sich gut zu fühlen. Unsere Unterschiede machen uns attraktiv, meint Obertierpfleger Michael Horn.

Horn marschiert in Richtung Schafschur ab. Kollege Marco Rosenfeld guckt derweil nach einem seiner Lieblinge: Nein, es ist nicht Eisbär-Nachwuchs Hertha. Auch wenn die Kinder ihre Eltern schon am Eingang in ihre Richtung ziehen. Marco Rosenfelds Herz gehört einem Takin, einer Rindergemse aus China. Kosename: Takinchen. Die Pfleger mussten sie nach dem Tod der Mutter von Hand aufziehen. Inzwischen sind daraus 250 Kilo behaartes Lebendgewicht geworden.

Die schmusige Takinchen schmeisst sich mit viel Schwung gegen die Stalltür, raus ins Gehege geht's erst später. Auch das wird umgebaut. Die Tiere sollen es schöner haben. Bei den Malaienbären ist das schon passiert. Früher Kellerwohnung, jetzt Villa: so beschreibt Oberpfleger Michael Horn die neue Anlage mit Wasser, Luft und Pflanzen. Die Bären fänden's toll.

Tierpark macht nicht alles anders – sondern vieles richtiger


Insgesamt hat sich der Tierpark nach 65 Jahren aufgemacht, nicht alles anders, aber vieles richtiger zu machen. Bald wollen sie auch ihr legendäres Alfred-Brehm-Haus wiedereröffnen, umgebaut für acht Millionen Euro zur Regenwald-Welt. Dort werden unter anderem Baumkängurus leben. Revierpfleger Marco Rosenfeld freut sich drauf.