23.04.2020, Berlin: Mitarbeiter vom Gesundheitsamt stehen in der ambulanten Corona-Test- Einrichtung.
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- Berliner Gesundheitsämter: Keine Rettung in Sicht?

Berlins Gesundheitsämter kämpfen an vorderster Front gegen die Corona-Pandemie. Dabei haben sie schon vor der Krise ihre Arbeit kaum geschafft. Reporterin Sylvia Tiegs hat sich die Lage der Gesundheitsämter genauer angeschaut.

Falko Liecke (Bild: rbb, Tiegs)
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Berlins Gesundheitsämter sind dauerkrank. Es sei schlichtweg unmöglich, sie gut auszustatten. Diese Meinung vertritt nicht nur Amtsarzt Patrick Larscheid, sondern auch Falko Liecke, erfahrener CDU-Stadtrat in Berlin-Neukölln. Beide setzen sich dafür ein, dass sich in Zukunft an diesem Zustand etwas ändert.

Falko Liecke führt diesen Kampf seit 2009. So lange schon ist er als Stadtrat zuständig für Gesundheit im Rathaus Neukölln. Neuköllns Gesundheitsamt hat derzeit nur rund 120 Leute. Ideal wären fast 160. Einen Großteil davon würde die Stadt bezahlen. Aber derzeit sind mehr als 20 Stellen unbesetzt - davon allein sechs Amtsärzte.

Immerhin fand Stadtrat Falko Liecke zum Januar einen neuen Leitenden Amtsarzt für Neukölln. Zwei Jahre lang war er zuvor auf der Suche. Aber auch er kann nicht die Arbeit von einem halben Dutzend fehlender Kollegen ersetzen. Seit fast einem Jahr hat Neukölln keinen sozialpsychiatrischen Notdienst mehr. 

Berlin: Patrick Larscheid, Amtsarzt im Berliner Bezirk Reinickendorf.
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Reinickendorfs Leitender Amtsarzt Patrick Larscheid ist etwas besser dran. Vor der Corona-Pandemie waren hier immerhin noch alle Stellen besetzt. Dennoch scheint die Position als Amtsarzt nicht immer attraktiv: Denn wer im öffentlichen Dienst als Mediziner arbeitet, verdient zwischen 1000 und 1500 Euro weniger als im Krankenhaus. Dabei brauchen auch Amtsärzte eine hochspezielle, langjährige Fachausbildung.

Der Aufgabenkatalog der Gesundheitsämter ist kein Wunschkonzert. Eine ganze Latte von Gesetzen regelt, was sie leisten müssen: die Bevölkerung beraten und untersuchen. Sie müssen vor mangelnder Hygiene, Vernachlässigung, Krankheiten und Seuchen schützen. Seit mehr als zehn Jahren klagen Berlins Amtsärzte und Ärztinnen, dass das mit dem vorhandenen Personal nicht mehr zu schaffen ist in der wachsenden Stadt.

In den Gesundheitsämtern bleibt jetzt Großes, Grundsätzliches liegen. Schuleingangsuntersuchungen finden fast nicht mehr statt, Hygienekontrollen sind heruntergefahren - genauso wie Beratungsangebote für Menschen mit Behinderung oder amtliche Besuche bei Neugeborenen.

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