Mann mit VR-Brille am Strand
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Bild: imago images / Westend61

- Reisen der Zukunft - Ist Virtual Reality die Lösung?

In Zeiten von Klimawandel und Coronavirus überdenken immer mehr Menschen ihre Reisegewohnheiten. Doch wie lässt sich der Reisehunger von zu Hause aus stillen: Virtual Reality kann eine Lösung sein. Reporterin Birgit Raddatz hat getestet, wie viel Urlaubsfeeling dabei wirklich aufkommt.

Mithilfe von Virtual Reality (VR) können sich Nutzer aus der Gegenwart in eine virtuelle Welt versetzen lassen. Ein Ortswechsel ist dazu nicht nötig, nur die entsprechende Virtual-Reality-Brille und ein Film, der die Realität eines anderen Ortes suggerieren soll.

Wer die Brille aufsetzt, bekommt einen 360-Grad-Rundumblick einer virtuellen Welt zu sehen. "Man sagt bei VR oder 360-Grad: Das Medium verschwindet, weil es gibt nicht mehr mich und den Bildschirm, sondern ich verschwinde in dem Medium und das macht die Immersion [- das vollständige Eintauchen in den Film -] aus", erklärt Christiane Wittenbecher von der Produktionsfirma IntoVR & Video. 

Totales Vergessen ist nicht möglich

Die Brille selbst sieht aus wie ein kleiner Kasten. Sie umschließt die Augen komplett. Die Nutzer können frei wählen, wohin sie reisen wollen. Es gibt so gut wie keine Grenzen: Bhutan, Albanien oder auch ein Flug mit den Vögeln über den Bodensee.

Doch trotz Rundumblick, ein totales Vergessen der Gegenwart ist für die meisten User dennoch nicht möglich: "Wenn man so auf Horizontalebene guckt, fühlt sich das alles ganz natürlich an. Nur wir sind es ja gewöhnt, dass wir einen Körper und Beine haben, wenn wir runtergucken. Und das hat man aber in dem Moment nicht und dadurch wirkt dieser Höhenunterschied dann größer als er ist. Und dafür gibt es noch keine richtige Lösung", sagt Wittenbeche. 

Reporterin testet eine Visual-Realitiy-Brille.
Bild: rbb/Raddatz

Man merke eben doch noch, dass man sich nicht in der Realität bewege, sagt auch Frank Steinicke, Professor für Mensch-Computer-Interaktion an der Uni Hamburg. "Man hat etwas unbequeme Brillen auf, man erkennt noch so ein paar Pixel auf dem Bildschirm, man erkennt immer noch, dass es sich um eine computergenerierte Welt handelt. Und das merkt das Gehirn natürlich in der Verarbeitung."

Um sich wirklich, wie an einem anderen Ort zu fühlen, müssten alle Sinne mit eingebunden werden, sagt Steinicke. Dennoch hat er 2014 ein Experiment gewagt, bei dem er die Brille insgesamt 24 Stunden lang trug: "Wir haben zusammen mit unseren Studierenden eine virtuelle Welt gebaut, die bestand zum einen aus einem virtuellen Apartment und zum anderen aus einer virtuellen Insel."

Und obwohl ihm bewusst gewesen sei, dass er die Brille jederzeit abnehmen konnte, habe sich sein Bewusstsein verändert. "Ich hatte sehr viele Momente von sehr hoher Präsenz, also wirklich das Gefühl, dass ich in dieser virtuellen Welt bin", erinnert er sich. Bisher ist die Technik aber nicht als Alternativangebot zu echten Reisen gedacht. Vielmehr wird den Menschen die Reise dadurch eher schmackhaft gemacht. 

Reporterin testet eine Visual-Reality-Brille.
Bild: rbb/Raddatz

VR - Kein Ersatz für Reisen, aber ein Anreiz

Auch die Agentur für digitale Transformation Exozet beschäftigt sich mit dem Thema Virtuelle Reisen der Zukunft.

Für Thomas Bedenk von Exozet stellt VR ein Zusatzangebot dar. Das manchmal auch dazu führen kann, dass Menschen es nicht mehr im realen Leben erleben müssen: "Es gibt ja unterschiedlichste Gründe: Entweder ist es eine Kostenfrage, dass es viel billiger ist, es in Virtual Reality zu erleben und man trotzdem relativ nah rankommt. Oder man will vielleicht tatsächlich CO2 vermeiden."