Die Nutzeroberfläche einer App von Telefonica, die Details zum Fahrprofil des Nutzers aufzeichnet.
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- Telematik-Tarif: Der Versicherer fährt mit

Eine günstige Alternative zu teuren Kfz-Versicherungen sollen Telematik-Tarife bieten. Per App wird das Fahrverhalten des Fahrers analysiert. Den Versicherungsrabatt gibt es nicht zum Nulltarif, man zahlt mit seinen Daten. Reporter Thomas Rautenberg hat sich auf die Suche nach dem Für und Wider für Telematik-Tarife gemacht.

Eine KFZ-Versicherung in Deutschland ist nicht immer günstig. Besonders Fahranfänger müssen oft viel für ihre Versicherung zahlen. Wer Geld sparen will, entscheidet sich am Ende vielleicht für einen sogenannten Telematik-Tarif. Dabei überwacht ein Sensor im Auto das Fahrverhalten: Anfahren, Bremsen, Lenken und Geschwindigkeit - der Versicherer ist über alles im Bilde. 

Die App fährt mit

 

Reporter Thomas Rautenberg hat die 19-jährige Marta im Auto begleitet. Die Studentin hat ihren Führerschein seit knapp zwei Jahren.  Auch Marta hat sich für einen Telematik-Tarif entschieden. In der  Frontscheibenecke ihres Twingos ist ein kleiner schwarzer Sensor eingeklebt. Via App hält der die ständige Verbindung zum Versicherer. Die Versicherung, in Martas Fall die HUK-Coburg, ist bei allem, was sie im Auto macht, live mit dabei. 

Gut 200 Euro jährlich kann sie bei der KFZ-Versicherung sparen. Das sind aber auch viele Daten, die aus dem Auto heraus an den Versicherer übermittelt werden.  Wie hoch der Versicherungsrabatt auf Dauer ausfallen wird, hängt vom errechneten Score ab - einem Wert, der für die 19-Jährige, wie sie sagt, ein Buch mit sieben Siegeln sei: "Man kann eigentlich gar nicht so richtig nachvollziehen, warum man diesen Wert jetzt eigentlich hat", sagt sie.

Rechtsprofessor Christoph Brömmelmeyer
Rechtsprofessor Christoph BrömmelmeyerBild: rbb/Rautenberg

Ständige Kontrolle

 

Intransparent nennt das Lars Gatschke von der Verbraucherzentrale Bundesverband. Schon eine Nachtfahrt gelte in den Augen der Versicherer als erhöhtes Risiko. Die Bewertungskriterien nennt er eine Blackbox: "Man ist quasi Versuchskaninchen in der ganzen Sache und die Frage ist, ob man Versuchskaninchen sein will." Er meint, die Risiken seien einfach deutlich größer als die Vorteile.

Die Überwachungsapp müsse ständig scharf gestellt sein, heißt es von Martas Versicherer. Die ständige Kontrolle passe ihr eigentlich nicht, trotzdem folgt sie den Regelungen der Versicherer: "Es ist schon gruselig zu wissen, dass es Leute gibt, die wissen, wo ich wann am Tag bin", sagt die 19-Jährige.

Was passiert mit den Daten?

 

Um den Datenschutz zu wahren, funktioniert die Telematik in einem Zwei-Kreis-System: Der Versicherer kennt den Namen des Kunden. Die aktuellen Fahrdaten bekommt er nicht. Die werden von einem Dienstleister erfasst und ausgewertet, der wiederum den Namen nicht zuordnen kann. Der errechnete Score-Wert geht dann zurück an die Versicherung. Im besten Fall können also weder Versicherer noch Dienstleister die Bewegungsprofile und die dazugehörigen Fahrernamen übereinander legen. Die Anonymität wäre gewahrt. Bleibt die Frage, wer die Dienstleister sind, die die Daten erfassen, sagt Professor Christoph Brömmelmeyer, geschäftsführender Direktor des Instituts für das Recht der Europäischen Union an der Frankfurter Viadrina.

Die beiden großen KFZ-Versicherer HUK und Allianz kommen deutschlandweit zusammen auf über 170.000 Versicherungsverträge mit Telematiktarif. Bei knapp 50 Millionen PKW, die hierzulande unterwegs sind, ist es also noch nicht das ganz große Geschäft. Dabei sieht Christoph Brömmenmeyer durchaus positive Effekte, weil Telematiktarife Fahrer disziplinieren können. Andererseits können die Versicherer mit den Daten mehr anfangen, als sich der Laie vorstellen kann, sagt Christoph Brömmelmeyer.

Sollte Marta eines Tages allein für ihre Versicherung zahlen, wird sie sich für einen anderen Versicherungstarif entscheiden. Ohne Sensor, ohne App und ohne die den Versicherer als ständigen Beifahrer zu haben - da ist sich die 19-Jährige sicher.