Karstadt am Hermann-Platz Berlin (Bild: imago images / Andreas Gora)
imago images / Andreas Gora
Bild: imago images / Andreas Gora

- Der Kiez, das Warenhaus und die Politik

Vor einigen Monaten hat die österreichische Firma Signa ein eigenwilliges Bauprojekt vorgestellt: Sie will Karstadt am Hermannplatz abreißen und nach dem Vorbild des ursprünglichen Baus aus dem Jahr 1929 neu aufbauen. Das umstrittene Projekt hat die Aufmerksamkeit auf einen Berliner Platz gelenkt, der immer wieder als problematisch gilt: Denn am Hermannplatz treffen nicht nur Neukölln und Kreuzberg aufeinander, sondern auch arm und weniger arm. Inforadio-Reporterin Oda Tischewski hat sich dort umgesehen.

An den Markttagen preisen auf dem Hermannplatz Gemüsehändler ihre Ware an. Es gibt frischen Fisch und Lederwaren, Fladenbrot und Currywurst, Kräutertöpfe und T-Shirts. Der weitgehend betongraue Platz bekommt ein fröhlicheres Gesicht, vor den Imbissbuden bilden sich lange Schlangen. Auf dem langgezogenen Rechteck an der Bezirksgrenze zwischen Kreuzberg und Neukölln herrscht reger Durchgangsverkehr.

Verdrängung in Nordneukölln

"Gentrifick Dich!" hat jemand an eine Hauswand geschrieben, aber eine Gentrifizierung - so der Soziologe Sigmar Gude, sieht eigentlich anders aus: Die setzt voraus, dass Wohnungen aufwendig saniert und dabei schicker werden. "In Nordneukölln sehe ich, dass die Wohnungen einfach nur teurer vermietet werden." Und so kommen in die Wohnungen immer mehr Menschen. "Das entwickelt sich in echte Wohnungsnot", sagt der Soziologe.

Pläne: Wiederaufbau des alten Karstadtgebäudes

In diese alles andere als luxuriöse Umgebung plant das österreichische Unternehmen Signa nun sein Projekt: Der Nachbau des Karstadt-Gebäudes aus dem Jahr 1929, 1945 von den Nazis gesprengt, 71m hoch, soll den Vorkriegsglanz an den Hermannplatz zurückholen. Signa will das pragmatische Karstadt-Gebäude aus den 60ern abreißen. Der britische Architekt David Chipperfield plant neun Stockwerke mit insgesamt etwa 72.000 qm2 Nutzfläche.  

Reaktionen auf das Projekt

Die Anwohner von der "Initiative Hermannplatz" befürchten, dass damit ein funktionierendes Zentrum ersatzlos verschwindet. Auch die Stadtentwicklungsämter beider Bezirke - Kreuzberg als Standort des Karstadt-Gebäudes, Neukölln als Zuständigem für den Hermannplatz selbst - haben die Pläne der Signa geprüft und sind mehr als skeptisch: Zu groß und an der Stelle nicht erforderlich, so die Einschätzung. Der Kreuzberger Baustadtrat Florian Schmidt gibt erstmal keine Baugenehmigung.

Der Bezirksbürgermeister von Neukölln Martin Hikel ist von dem Projekt begeistert - ganz anders als Florian Schmidt und selbst als sein eigenes Stadtentwicklungsbüro. Darum knüpft Hikel Bedingungen an seine Unterstützung für den Bau. Man müsse mit dem Investor reden, was da drin passieren soll. Denn der Neubau dürfe keine Konkurrenz für die Einkaufsmeile Karl-Marx-Straße werden. "Ich halte es für wichtig, dass die Nutzung eine gewisse Kiezorientierung hat."

Kleinere Händler fürchten um ihre Existenz

Die Händler am Hermannplatz sind größtenteils nicht begeistert von den Plänen der Signa: George Wojatzis vom Kartoffelpufferimbiss sieht darin das sichere Ende für sein Geschäft. Wir als Pufferimbiss, die schon 30 Jahre hier stehen, würden dann hier wegkommen."

Die Anwohner rund um den Platz finden vieles wichtiger als den Nachbau eines luxuriösen Warenhauses aus den Goldenen Zwanzigern. Niloufar Tajeri von der "Initiative Hermannplatz" stellt klare Forderungen an die Verwaltung: "Sich erst mal kümmern. Den Platz verstehn und sehen, was ist denn da nicht in Ordnung? Und was sind die angemessenen Mittel, um das zu verbessern".