Unionfans feiern Aufstieg mit Köpenick im Hintergrund (Bild: imago images/O. Behrendt)
imago images/O. Behrendt
Bild: imago images/O. Behrendt

- Köpenick ist bereit für das große Abenteuer Bundesliga

"Den Sieg vor den Augen, den Blick weit nach vorn, zieh'n wir gemeinsam durch die Nation" - die Hymne des 1. FC Union Berlin dürfte in den kommenden Monaten viele neue Ohren erreichen. Am Wochenende startet für die Eisernen ihre erste Bundesligasaison. Und was macht der Bezirk daraus? Sind die Köpenicker genervt oder nutzen Sie die Chance, abseits des Fußballs vom Union-Aufstieg zu profitieren? Inforadio-Reporter Martin Adam hat in Köpenick nachgefragt.

Mehr Umsatz dank Bundesliga: in Köpenick hoffen das viele, daran glauben aber längt nicht alle. Einer, der das schon von Berufswegen muss, lädt ins Rathaus ein - altes Gemäuer, hohe Decken, schwere Türen und hinter dem Bürgermeister mit Gel im Haar hängt der Union-Schal am Schrank. Nach dem Aufstieg gefragt, kommt auch zuerst der Union-Fan in Oliver Igel zu Wort. Der Politiker in ihm will, dass die Bundesliga für den ganzen Bezirk um das Stadion herum eine Chance ist. So viel Aufmerksamkeit, sagt er, das gibt's sonst nicht für lau.

Oliver Igel mit Union_Schal auf dem Balkon des Rathauses Köpenick (Bild: imago images/Matthias Koch)
Überzeugter Eiserner: Oliver IgelBild: imago images/Matthias Koch

Tourismusverein hofft auf sehnsüchtige Fußballfans

Und was bringt das für Köpenick? Mehr Investitionen wohl erst mal nicht, sagt der Bürgermeister, auch nicht unbedingt, dass mehr Menschen nach Köpenick ziehen wollen. Das sei in den letzten Jahren ohnehin schon passiert und in dieser Hinsicht sei der Bezirk eigentlich voll. Und mehr Fans? Kommen wohl auch nicht, sagt der Bürgermeister.

Aber: was bringt dem Bezirk der Hype? Tourismus!, sagt der Bürgermeister. Und Köpenick ist bereit. Draußen vor dem Rathaus sitzt Jens Hoffmann, schön mit Blick aufs Wasser. Hoffmann ist Sprecher beim Tourismusverein und sagt, der Traum wäre ein Fußballfan von außerhalb, der zum Spiel kommt, merkt: "Hey Köpenick ist echt schön" - und dann ohne Fußball wiederkommt. Denn hier gibt‘s Wasser und Natur und eine schöne Altstadt.

Altstadt von Köpenick (Bild: imago images/Jürgen Ritter)
Ein hübscher Mikrokosmos: die Altstadt von KöpenickBild: imago images/Jürgen Ritter

Köpenicks Hotel-Szene ist überschaubar

Köpenick hat bereits ein Tourismuskonzept aus Boots- und Radtouren und Geschichte von Mauerstreifen bis Hauptmann von Köpenick. Nur: wer bleiben will, braucht ein Bett zum Schlafen. Hotels sind knapp in Köpenick. Eines, das schon da ist, ist das Pentahotel in der Grünauer Straße. Jedes der 190 Zimmer kostet zwischen 80 und 180 Euro. Hotelmanager Sascha Braunstein betont, Fußballmannschaften zu beherbergen ist auch riskant. Die Gäste sind sehr anspruchsvoll, brauchen Ruhe. Gegnerische Fans könnten auf die Idee kommen, Rauchbomben ins Hotel zu werfen. Das Hotel zeigt übrigens jedes Bundesligaspiel auch auf Großbild in der Lounge.

Dahme nahe Schlossinsel Köpenick (Bild: imago images/Jürgen Ritter)
Wasser, wohin das Auge reicht: die Dahme nahe der Schlossinsel in KöpenickBild: imago images/Jürgen Ritter

Sky-Bars sind Mangelware

Public Viewing können sich nur die Großen leisten, heißt es in den alten Köpenicker Kneipen, in denen sich alle über Union freuen, aber niemand ins Mikro sprechen will.  Viel zu teuer so ein Sky-Abo - zu teuer selbst für die Freiheit 15, ein großes Kulturprojekt mit Biergarten und Bar am Rand der Altstadt. Jens Karnowski ist hier der Geschäftsführer und er sagt trotzdem, Aufmerksamkeit kann nur gut sein. Es gibt ein eigenes Union-Theaterstück in der Freiheit 15, schon seit Jahren. Irgendwelche Union-Cocktails oder Fan-Menüs stehen aber auch in Zukunft nicht auf der Karte, sagt Jens Karnowski.