Sechs Wochen alte Puten in Roddahn (Bild: rbb/Marie Asmussen)
rbb/Marie Asmussen
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- Wie eine Putenmast-Anlage ein Dorf entzweit

In Roddahn (Ostprignitz-Ruppin) protestieren einige Anwohner schon seit Jahren gegen die örtliche Putenfarm. Eine Bürgerinitiative fordert die sofortige Schließung der Anlage. Andere Dorfbewohner sehen in dem Betrieb kein Problem und ärgern sich über die Intiative. Inforadio-Reporterin Marie Asmussen wollte mehr über den Konflikt in Roddahn wissen und hat das Dorf besucht.

Das Schulhaus der Freien Schule Roddahn ist bunt angemalt. Draußen gibt es viel Platz zum Spielen, allerhand Gebüsch zum Verstecken, auch einen neuen Kletterturm aus Holz. Doch hinter dem Zaun ist Schluss mit der Idylle. Dort stehen drei langgestreckte, massiv gebaute Hallen: Die Putenmast-Anlage des Dorfes.  

Die Putenställe gehören zum Gut Jäglitz und das wiederum gehört Thomas Storck, dem Vorsitzenden des Verbands deutscher Putenmäster. Storck lebt in Niedersachsen, betreibt seit gut zwanzig Jahren Mast- und Zuchtanlagen an verschiedenen Orten in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, meistens in alten Stallgebäuden aus DDR-Zeiten, so wie in Roddahn. Dort werden gleichzeitig über 24.000 Tiere gehalten.

Bilder aus Roddahn

Die Gegner der Mastanlage stören sich einerseits am Gestank der Tiere und beklagen andererseits immer wieder die Verletzung von Tier- und Umweltschutzbestimmungen, die sie auch bei den Behörden anzeigen. Das zuständige Landratsamt in Neuruppin teilte auf Anfrage schriftlich mit, derartige Verstöße seien nicht festgestellt worden.

Allerdings hat das Landesumweltamt Ende 2016 der Roddahner Mastanlage nachträglich schärfere Grenzwerte für Geruchsimminssionen verordnet. Gegen den Bescheid klagt der Betreiber - eine Entscheidung könnte Jahre dauern.

Der Biolandwirt Jan Malo gehört zur Bürgerinitiative. Als ehrenamtlicher Ortsvorsteher von Roddahn ist er eigentlich auf Ausgleich bedacht. Er findet es problematisch, dass der Putenmäster nicht im Dorf wohnt. Dann würde er mitbekommen, was die Leute störe. Stattdessen haben sich die Fronten im Laufe der Jahre verhärtet. Und das Dorf bleibt zerrissen zwischen ökologischen Lebensentwürfen und der Produktion von viel preiswertem Putenfleisch.