Leitungswasser fließt in ein Trinkglas
imago, Ulrich Roth
Bild: imago, Ulrich Roth

- Unsichtbare Gefahr: Keime im Trinkwasser

Sich im Krankenhaus mit Keimen anzustecken, ist für viele Menschen fast die größte Angst, wenn sie operiert werden müssen. Dabei denken viele an Übertragungen während der OP oder durch das Pflegepersonal. Dass Wasser aus der Leitung Schuld daran sein könnte, damit rechnen die wenigsten. Doch eine junge Frau musste genau diese Erfahrung machen. Ursula Stamm aus der rbb Praxis berichtet.

Der Anlass war ärgerlich, aber nicht weiter dramatisch. Beim Hip-Hop-Tanzen brach sich Manuela Preissl den rechten Arm und wurde operiert. Nach ein paar Wochen habe sie festgestellt, dass sich am oberen Ende der Narbe ein Loch bildet. Die Wunde will einfach nicht heilen. Immer wieder platzt sie auf und schließt sich erst nach einem halben Jahr. Manuela Preissl hat eine deutlich sichtbare Narbe und eine kleine Vertiefung am rechten Oberarm zurückbehalten. Damit hatte sie nicht gerechnet. Bei guter Heilung sollte lediglich eine kleine unauffällige Narbe zurückbleiben.

Infektion durch Bakterien im Duschwasser

Schuld waren multiresistente Bakterien, mit denen sich ihre Wunde infiziert hatte: Pseudomonas aeruginosa. Doch das wurde erst später festgestellt. Bei der Suche nach möglichen Übertragungswegen, gelangte auch das Wasser der Klinik in den Fokus. Habe sich die Patientin geduscht, bevor die Wunde vollständig verschlossen war, könnten die Bakterien in die Wunde gelangt sein, so Prof. Martin Exner vom Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit in Bonn. Auch wenn der Wundverband durchfeuchtet sei, fänden die Pseudomonas hervorragende Bedingungen.

Über eine offene Wunde können die multiresistenten Bakterien leicht in der Körper gelangen. Vor allem bei abwehrgeschwächten Patienten kann das richtig gefährlich werden. Studien zeigen: bis zu 50 Prozent der Pseudomonaden-Infektionen auf Intensivstationen werden durch Keime aus der Wasserleitung verursacht. Wasser werde zum Waschen der Patienten oder auch zum reinigen der Instrumente gebraucht. Sei es verunreinigt, könne es durch die Hände auch auf andere Körperstellen kommen und Wunden infizieren.

Strenge Richtlinien für Krankenhäuser notwendig

Um das zu verhindern, gelten seit 2011 besondere Kontrollvorschriften. Deutsche Krankenhäuser müssen das warme Wasser zum Beispiel auf Legionellen prüfen, eine andere Bakterienart. Pseudomonas aeruginosa gedeihen dagegen in kaltem Wasser. Der Kalt-Wasser-Test ist aber bislang freiwillig und bedeutet einen zusätzlichen Aufwand. Andere europäische Länder sind da schon weiter, so Prof. Martin Exner. Die Briten hätten für diese Art der Bakterien eine detaillierte Empfehlung für Krankenhäuser herausgegeben. Nun hoffe man, dass es entsprechende Richtlinien auch bald in Deutschland geben werde.

Bis dahin gehen Patienten nur auf Nummer sicher, wenn sie darauf achten, dass frische Wunden tatsächlich nicht mit Leitungswasser in Berührung kommen.

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