Buchcover "Stadt der Geheimnisse" Stewart O'Nan + Explosion in einem Shoppingcenter in Jerusalem Dezember 1947 © rowohlt verlag/imago/United Archives International
rowohlt verlag/imago/United Archives International
Bild: rowohlt verlag/imago/United Archives International

- Zeitgeschichte als Krimi im Jerusalem der vierziger Jahre

Ute Büsing stellt in "Quergelesen" zwei sehr besondere neue Romane von Thomas Mullen und Stewart O'Nan vor. In ihnen verbindet sich auf einzigartige Weise Zeitgeschichte und Krimi mit anrührenden Menschengeschichten. Außerdem hat sie Weihnachtstipps vom Buchhändler ihres Vertrauens und schaut auf die literarischen Neuigkeiten der vergangenen Woche.

Thomas Mullen: Dark Town

Atlanta, Georgia im Jahr 1948, es herrscht Rassentrennung, auch bei der Polizei, die erstmals schwarze Cops angeheuert hat. Vor diesem historischen Hintergrund spielt Thomas Mullens sorgfältig recherchierter Roman "Dark Town", erschienen im Rowohlt Verlag. In den USA war der Krimi ein Renner und auf der Bestenliste 2017, ist er doch auch ein Kommentar zum aktuellen Rassismus dort. Rezensentin Renée Zucker ist begeistert vom düsteren Stoff.

Stewart O'Nan: Stadt der Geheimnisse

Auch Stewart O'Nan knüpft in "Stadt der Geheimnisse" an historische Ereignisse an. Sein im Rowohlt Verlag erschienener, anrührender Roman - eine Mischung aus Agenten-Thriller- und Liebesgeschichte - spielt in Jerusalem 1947. Der Zweite Weltkrieg ist vorbei, überlebende Juden aus Europa suchen in Palästina Zuflucht, viele davon als Illegale, wie der Taxifahrer Jossi. Seine Familie wurde ausgelöscht, er hat die Pogrome und Lager in Lettland überlebt. Jetzt kämpft er auf Seiten der zionistischen Untergrundbewegung Hagana gegen die britische Mandatsmacht, chauffiert, wenn nicht Touristen zu den Heiligen Stätten, Attentäter mit Bomben im Handgepäck zu Anschlagszielen.

Weihnachtsempfehlung: Christian Dunker von "Geistesblüten"

  • Gabriel Tallent: Mein ein und alles
    Penguin Verlag + Random House Audio
  • Hagar Peeters: Malva
    Wallstein Verlag
  • Vladimir Sorokin: Manaraga.Tagebuch eines Meisterkochs
    Verlag Kiepenheuer&Witsch
  • Ulrich Hub: Das letzte Schaf
    Verlag Carlsen

Veranstaltungstipp

Welche Bedeutung kommt Bildern bei der Entstehung von Literatur zu? Was verraten Porträts von Autoren? Über diese Fragen diskutieren der langjährige Leiter des Deutschen Literaturarchivs Marbach Ulrich Raulff und die Büchnerpreisträgerin Sibylle Lewitscharoff am Dienstag, dem 11. Dezember um 19 Uhr in der Berliner Stiftung Brandenburger Tor im Max Liebermann Haus. Um Voranmeldung wird gebeten.

Sendung

Die Schauspielerin Sophie Nelisse als Liesel Meminger in einer Filmszene des Kinofilms "Die Bücherdiebin". (Bild: dpa)
dpa

Quergelesen

Das Literatur-Magazin bietet Interviews und Gespräche mit Literaten und Verlegern, berichtet über Preise und Preisträger von Büchner bis Bachmann sowie über Festivals und Lesungen.