Manja Präkels © Nane Diehl
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Bild: © Nane Diehl

- Buch der Stunde: "Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß"

Manja Präkels hat für ihren Roman über das Aufwachsen in der ostdeutschen Provinz rund um die Wendezeit den Jugenditeraturpreis bekommen. Nadine Kreuzahler hat mit der Autorin gesprochen, die in ihrem Roman vieles von dem verarbeitet hat, was sie selbst erlebt hat. Außerdem schaut sie auf den Roman "Deutsches Haus" von Annette Hess, die bisher Drehbücher für Erfolgsserien wie "Ku'damm 56" und "Weißensee" geschrieben hat.   

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Manja Präkels: Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß

"Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß" - für diesen Roman hat Manja Präkels gerade den Jugendliteraturpreis bekommen. Ein Buch der Stunde nannte es die Jury. Es erzählt vom Aufwachsen in der ostdeutschen Provinz rund um die Wendezeit, davon, wie rechtes Gedankengut um sich greift und ehemalige Schulfreunde plötzlich zu rechten Schlägern werden. Ihr Roman sei nicht als Jugendbuch geplant gewesen, sagt Manja Präkels. Aber nach einigen Lesungen vor 15-, 16-, 17-Jährigen habe sie gemerkt: doch, das funktioniert.

Das, worüber sie schreibt, hat Manja Präkels selbst erlebt. Sie ist in Zehdenick aufgewachsen. In ihrem Roman verarbeitet sie vieles von dem, was sie damals vor, während und nach der Wende erlebt hat. Manja Präkels schreibt in einem nüchternen, klaren Stil, dokumentarisch, berichtend, ungeschönt. Und das macht das Buch so intensiv. Oft kann man gar nicht fassen, was da passiert.

Annette Hess: Deutsches Haus

Frankfurt, Mitte der sechziger Jahre. Auf der damals schon lebendigen Einkaufsmeile Bergerstraße besitzt Evas Familie das "Deutsche Haus", eine Gaststätte mit bürgerlicher Küche. Der Koch Ludwig und seine fleißige Frau Edith schuften ohne Unterlass, damit es ihre beiden erwachsenen Töchter Annegret und Eva - und der Nachkömmling Stefan einmal besser haben. Im Wirtschaftswunder kein Problem, auch wenn Ediths und Ludwigs physische und psychische Gesundheit Schaden nimmt.

In Teil zwei nimmt die Geschichte an Fahrt auf und man kann vermuten, dass auch dieses Buch verfilmt wird, es hat ja alles, was eine gute Bildergeschichte braucht: Historie, Politik, Schuld und Scham, Verbrechen und Liebe - mit der Sühne hapert es, wie auch im wirklichen Leben. Eine Geschichte, von der Iris Berben auf dem Umschlag behauptet, sie käme genau zur richtigen Zeit, und man fragt sich, wann die Zeit mal nicht richtig gewesen wäre. Obwohl die Figuren alle recht papiern gestaltet sind, ist es ein wichtiges Buch, gerade für die jüngere Generation.

Sendung

Die Schauspielerin Sophie Nelisse als Liesel Meminger in einer Filmszene des Kinofilms "Die Bücherdiebin". (Bild: dpa)
dpa

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