Männer der königlichen Marine Thailands nach erfolgreicher Rettung einer Fußballmannschaft aus einer Höhle
imago/Xinhua
Bild: imago/Xinhua

- "Eine Geschichte über globale Empathie"

Das Höhlendrama in Thailand ist vorbei: Alle zwölf Jungen und ihr Betreuer konnten in einem spektakulären Einsatz gerettet werden. Aus der ganzen Welt kommen Glückwünsche. Und auch die deutschen Zeitungskommentatoren machen sich Gedanken über diese unglaubliche Geschichte – und darüber was sie von anderen unterscheidet. 

Für den Tagesspiegel ist diese Geschichte alles, was die Welt sein kann. Und alles, was sie so oft nicht ist. Mehr als 1000 Rettungskräfte arbeiteten in  einer wahrhaft internationalen Hilfsaktion zusammen. Und die Welt fieberte mit:

"Über zweieinhalb Wochen dominierte das Thema (…) über viele Kulturkreise hinweg. (…) Es ist eine Geschichte über globale Empathie, (…) über den Wert menschlicher Zusammenarbeit, über Erfindergeist und die Überlegenheit der Technik über die Natur. (…) Natürlich ist auch diese Geschichte nicht ungebrochen. (…) Es passierte ein Unglück, ein Taucher starb bei der Rettungsaktion. Findige Geschäftsleute versuchten, das Drama für PR-Zwecke zu nutzen. … Manche Medien berichteten Sensationslüstern. In Erinnerung bleiben aber wird das: Vom Dunkel ins Licht. Was für ein Symbol."

Die Zuschauer nahmen Anteil aus der Ferne, über die sozialen Medien fast "hautnah", schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Das Schicksal der thailändischen Jungen habe über Tage die Welt bewegt …:

"(...) mehr als das Schicksal so vieler anderer, die im Krieg in Syrien sterben oder auf der Flucht im Mittelmeer ertrinken. Perfide ist es, das eine gegen das andere aufzurechnen. Einzelschicksale haben stets eine größere Aufmerksamkeit und Wirkung als Katastrophen, die eine anonyme Masse heimsuchen. Auch das ist menschlich. Freuen wir uns also über die Rettung (…) und nehmen wir sie als das, was sie ist: ein großes Wunder."

Auch die Westfälischen Nachrichten verweisen darauf, dass sich die Aufmerksamkeit immer auf das Besondere stürzt. So bitter das auch sei. Aber:;

"(…) der unermüdliche Einsatz in Thailand führt (auch) vor Augen, zu wie viel Engagement und Gemeinsamkeit Menschen fähig sind, wenn es um andere in Not geht. Vielleicht lässt sich nun der Schritt zu mehr Solidarität für andere in dramatischen Lebensumständen machen - auf zu kleinen Booten im Mittelmeer, in überfüllten Flüchtlingslagern oder in von Dürre betroffenen afrikanischen Dörfern."

Der Weser-Kurier lenkt den Blick auf Neugierde und Sensationslust. Auch wenn das menschliche Konstanten seien, würden sie in der medial befeuerten Erregungsgesellschaft oft in den Exzess getrieben:

"Das zeigen beispielhaft horrende Vorfälle jüngeren Datums auch ganz in unserer Nähe: Gaffer, die Hilfskräften im Weg stehen und die abgeschmackten Früchte ihres Voyeurismus ins Netz stellen, sind in unserem Kulturkreis bald eher die Regel als die Ausnahme. Die Resonanz auf die Rettungsaktion in Thailand zeigt, dass es auch anders geht. Das stimmt verhalten zuversichtlich."

Zurück zur Übersicht

dpa

Presseschau

Was schreiben die Zeitungen zu den Themen, die uns alle bewegen? Der Blick in die Kommentarspalten der regionalen und überregionalen deutschen Zeitungen.