Vater und Sohn spielen an der Konsole (Bild: imago/Laurence Mouton)
imago/Laurence Mouton
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- Wechselmodell - die bessere Lösung für das Trennungskind?

Wenn sich Eltern trennen, läuft es für die gemeinsamen Kinder meist darauf hinaus: einer betreut, einer zahlt. Doch immer häufiger beteiligen sich beide Elternteile zu gleichen Teilen an der Betreuung. Das Bündnis "Doppelresidenz.org" will am Donnerstag eine Petition dem Bundestag übergeben, die das "Wechselmodell" zum Leitbild im Familienrecht machen soll. Bettina Rehmann berichtet.

Markus Witt vom Bündnis betont: "Es geht hauptsächlich darum, ein zeitgemäßes Familienrecht zu bekommen, also nicht ein Familienrecht, das deut lich über hundert Jahre alt ist, sondern sich daran orientiert, wie Eltern heute leben und was Kinder auch brauchen."

Seine Kollegin Cornelia Spachtholz, die gleichzeitig Vorsitzende des Verbands berufstätiger Mütter ist, betont, mit der Petition wolle das Bündnis auch einen Sinneswandel in der Gesellschaft erreichen: “Wenn wir in eine Paarbeziehung gehen und Familie gründen wollen und wir von Anfang an wissen, wir sind beide gleich verantwortlich, einmal für unser Erwerbseinkommen und gleichzeitig verantwortlich für die Alltagszeit mit unseren Kindern - alles was dazugehört. Wenn wir das von Anfang an wissen, dass wir das im Trennungsfall leisten müssen, dann ist es naheliegend, dass es von Anfang an unterstützend auch so schon gelebt wird."

Erste Anhörung im Februar 2019

Schon 2017 hat die Konferenz der Landesjustizminister beschlossen, gesetzliche Regelungen für den Fall zu prüfen, dass die Eltern nach der Trennung das Kind gemeinsam weiter  betreuen, im sogenannten Wechselmodell. Die Familienrichterin am Münchner Oberlandesge richt, Isabell Götz, berät auch das Bundesjustizminsterium, sie erklärt: "Wir reden deswegen darüber, weil es zunehmend mehr ein Modell ist, dass Eltern nach der Trennung leben und unsere derzeitigen Gesetze es aber nicht abbilden. Wir können damit umgehen als Umgangsregelung, wir können es anordnen, aber eigentlich ist es ja keine Umgangsregelung, wenn die Eltern Kind gemeinsam weiter betreuen und deswegen wird zunehmend mehr darüber diskutiert, dass der Gesetzgeber gefordert ist und es im Gesetz abbilden muss."

Schon heute leben schätzungsweise 15 Prozent der Trennungsfamilien das Wechselmodell. Davon spricht man in der Sozialwissenschaft schon ab einem Betreuungsanteil von 30 Prozent – nicht erst, wenn sich die Eltern die Betreuung genau zu 50 Prozent teilen.

Bereits im März hatte die FDP-Bundestagsfraktion einen Antrag in den Bundestag eingebracht, wonach das Wechselmodell sogar als gesetzlicher Regelfall eingeführt werden soll. Im Februar kommenden Jahres gibt es dazu im Rechtsausschuss eine erste Anhörung.

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Dominik Lenz befragt den Inhaber einer Mühle (Foto: Inforadio/Kattner)
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