Stahlseine werden als Träger gespannt
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Bild: rbb/Thomas Rautenberg

- Niedrigere Hochspannungsleitungen - höhere Akzeptanz

Immer mehr Windstrom muss von den Erzeugern im Norden Brandenburgs zu den Verbrauchern im Süden des Landes fließen. Doch hohe Strommasten stören das Landschaftsbild. Um mehr Akzeptanz zu bekommen, will der ostdeutsche Stromnetzbetreiber 50Hertz seine Freileitungen deutlich kleiner machen. compactLine heißt sein Pilotprojekt, das sich Inforadio-Reporter Thomas Rautenberg angeschaut hat.

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Das Umspannwerk in Jessen liegt auf freiem Feld unmittelbar an der Grenze zwischen dem Landkreis Elber-Elster am südlichsten Zipfel Brandenburgs und dem benachbarten Sachsen-Anhalt. In etwa einem Kilometer Entfernung läuft eine Stromtrasse vorbei, die Ragow bei Berlin mit Mittelstedt bei Magdeburg verbindet. Rund 60 Meter hohe Masten mit tief durchhängenden Leitungen bestimmen das Landschaftsbild. Das Umspannwerk ist über zwei Ausleger mit der Hochspannungsleitung verbunden. Das Werk sammelt Windstrom von den Kraftwerken aus der Umgebung ein. Der wird dann in die Fernleitung Richtung Süden eingespeist. Jessen ist als Standort für das bundesweit einzigartige Pilotprojekt von 50Hertz kein Zufall, erläutert Projektsprecher Dirk Manthey: "Der Standort für dieses Pilotvorhaben war deshalb günstig, weil das Umspannwerk durch zwei Leitungen mit dem Netz verbunden ist. Wenn es an der Pilotleitung mal eine technische Frage gibt und man sie ausschalten muss, dann wäre das Umspannwerk immer noch durch die andere Leitung versorgt."

Etwas abseits des mit Stacheldraht gesicherten Zaunes ragen zwei Metalltürme in die Höhe, die von ihrer Form her eher in einen Windpark passen würden. Mit den herkömmlichen Gittermasten  in der Umgebung haben sie nichts mehr zu tun. So sieht es auch Peter Bahnemann, der für 50Hertz jeden Schritt auf der Baustelle kontrolliert: "Im ersten Moment, ohne die Seile, würde man nicht auf die Idee kommen, dass es Hochspannungsmaste sind. Schon durch die Röhre könnte man denken, kommt da vielleicht noch ein Windrad drauf?"

Nicht hoch genug für Windräder

Ein Windrad kommt nicht drauf, dafür wären die compactLine-Türme mit ihren etwa 30 Metern auch nicht hoch genug. Und je näher wir kommen, desto mehr Einzelheiten werden sichtbar: Im oberen Teil der Masten sind kleine Arbeitsbrücken und Halterungen für schwere Stahlseile montiert. Das Ganze erinnert an die ersten Pfeiler einer Seilbahn. Von oben hängen Metallseile herab, etwa drei Zentimeter dick. Sie sollen heute noch gespannt werden. Peter Bahnemann reicht mir ein Ende: "Das kann man auch anfassen, da ist kein Saft drauf und da braucht keiner Angst haben, dass er ins Zittern kommt."

Anfassen kann man das Stahlseil schon, bewegt kriegt man es kaum. Dafür ist es viel zu schwer. Peter Bahnemann drückt mir zum Vergleich ein Stück der Leitung in die Hand, wie sie derzeit überall an den Hochspannungsmasten in der Landschaft hängt. Der Unterschied ist deutlich: Hier 1,6 Kilogramm pro Meter – da 3,6 Kilo.

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Dominik Lenz befragt den Inhaber einer Mühle (Foto: Inforadio/Kattner)
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