Glastrinkhalme der Firma HALM
rbb/Sylvia Tiegs
Bild: rbb/Sylvia Tiegs

- Plastikmüll vermeiden - geht das?

An einem Cocktail trinkt man vielleicht 20 Minuten. Der Plastikhalm aus dem Cocktail aber braucht hunderte Jahre, bis er von allein verrottet. Oder er muss mit viel Energie verbrannt werden. Die EU-Kommission hat nun kürzlich beschlossen: Plastikhalme und ähnliche Einweg-Artikel sollen vom Markt. Was bedeutet das aber für all diejenigen, die täglich damit hantieren - und zwar in Massen? Das hat Sylvia Tiegs Unternehmer und Kunden in Berlin gefragt.

Ein Strohhalm aus Plastik kostet im Einkauf für den Unternehmer Daniel Hoffmann einen Eurocent. Rund 5000 Strohhälme, so schätzt er, gehen monatlich mit den Cocktails über seine Bartheke in Berlin-Prenzlauer Berg. Doch so ganz gefällt ihm der Gedanke nicht: "Wenn man sich die Meere anschaut, weiß man, dass man umdenken muss. Allein im Atlantik schwimmt eine Plastikinsel so groß wie Mitteleuropa."

Daniel Hoffmann vor seiner X-Bar
Bild: rbb/Sylvia Tiegs

Alternativen zu Plastik: Das Dilemma von Unternehmergeist und Umweltbewusstsein

Doch das Umdenken ist gar nicht so leicht. Einer, der es versucht hat, ist Sebastian Müller. Der Unternehmer stellt seit zwei Jahren einen alternativen Strohhalm aus robustem Glas her. Auf die Idee kam er im Urlaub, als er mit seiner Lebensgefährtin auf der kleinen thailändischen Insel war: "Da gab es keine Autos, kein Mensch, klassische Strände: Aber alles voller Müll." Gemeinsam starteten sie eine Aufräumaktion. Dabei fiel ihnen auf: Jedes zweite Teil war ein Plastiktrinkhalm.

Doch seine Glasstrohhälme sind 100 Mal teurer als die Plastikstrohhälme in der Bar von Hoffmann. Für einen Euro möchte der - Umweltbewusstsein hin oder her - die Halme nicht kaufen. Doch auf Plastik verzichten ist genau deshalb oft so schwer: Alternative Stoffe sind nicht so praktikabel, oder eben sehr viel teurer und damit nicht gut fürs Geschäft. Hoffmann glaubt nun, mit Roggenhalmen eine gute Möglichkeit gefunden zu haben: Denn im Gegensatz zu Papier, welches schnell aufweicht, oder Bio-Plastik, die nur unter speziellen Bedingungen verrottet, sollen diese Halme ein gutes Preis-Leistungsverhältnis aufweisen.

Glashalm-Hersteller Sebastian Müller
Bild: rbb/Sylvia Tiegs

Viele Menschen in Berlin denken schrittweise um. Einige Supermärkte versuchen, komplett auf Plastiktüten zu verzichten oder bieten Produkte ohne Plastikverpackung an. Noch stehen den Märkten viele Hürden im Weg. Dennoch: Viele Konsumenten versuchen erste Schritte hin zu einer plastikfreieren Umwelt. Und wenn es nur kleine Schritte sind, so sind sich viele einig: So, wie es heute mit dem Plastikmüll ist, kann es nicht weiter gehen.

Zurück zur Übersicht

Dominik Lenz befragt den Inhaber einer Mühle (Foto: Inforadio/Kattner)
Inforadio/A. Kattner

Nahaufnahme

Reportagen zum aktuellen Zeitgeschehen: Journalisten des rbb und ARD-Auslands-Korrespondenten geben einen Einblick in unterschiedlichste Lebenswelten.