Arbeitsloser vor dem Jobcenter
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- Der schwere Weg aus Hartz IV

Egal wie gut die Wirtschaft läuft – die Zahl der Langzeitarbeitslosen sinkt einfach nicht. Allein in Berlin sind rund 118.000 Männer und Frauen seit Jahren ohne einen Job. Warum ist der Weg aus Hartz 4 so wahnsinnig schwer? Sylvia Tiegs hat sich mit einem getroffen, der den Absprung geschafft hat – und mit dem, der ihm dabei geholfen hat.

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Eigentlich hat Oliver Florenkowski heute frei - aber weil er seine Geschichte erzählen möchte, ist er doch zur Arbeit gekommen: ins Wohnungslosenheim der Berliner Stadtmission in Reinickendorf. Heute gibt's da das wöchentliche Kaffeekränzchen; Florenkowski - groß, schlank, schwarze Jeans - deckt die Tische ein. Die Arbeitsstelle hier nennt er sein "großes Glück".

Eine Mischung aus Sozialhelfer und Hausmeister - das ist Oliver Florenkowski heute. Vor fünf Jahren noch war er Maler und Lackierer. Aber das ist vorbei: "Ich bin Asthmatiker und irgendwann habe ich gemerkt: Ich vertrage das Lackieren nicht mehr. Daraufhin wurde ich dann nach einiger Zeit zum Amtsarzt geschickt und der hat festgestellt, dass es noch ganz andere Probleme gibt. Dass ich dauerhaft nicht mehr in die Beuge gehen konnte, Rheuma in der Schulter hatte, etc.; und dann durfte ich meinen Beruf nicht mehr ausüben."

AlexanderSchubert und Oliver Florenkowski
Alexander Schubert (l.) und Oliver Florenkowski (r.)Bild: rbb/Tiegs

Ein Schlag war das, erzählt Florenkowski. Er war damals Ende 30, zog seine Tochter alleine groß. Einen neuen Beruf zu lernen konnte er sich nicht leisten - sagt er. Aus Sicht der Agentur für Arbeit kam Florenkowski für eine Umschulung auch nicht in Frage. So rutschte er nach einem Jahr ins Arbeitslosengeld II: ein Fall für's Jobcenter: "Große Hoffnung hatte ich anfangs nicht, weil ich schnell gemerkt habe, dass ich in die Helferjobs gedrängt werde. Und meine Erwartungen haben sich bei diesen Jobs nicht erfüllt."

"Jeder kann in die Lage kommen"

Oliver Florenkowski jobbte unter anderem als Helfer im Gerüstbau und in der Gebäudereinigung. Nirgendwo war oder wurde er richtig qualifiziert, stattdessen erlebte er miese Bezahlungen und unseriöse Arbeitgeber. Nur ein Job als Mann für alles in einem Obdachlosenheim, der  sollte sich später für ihn auszahlen - aber das ahnte er damals noch nicht. Manchmal fand Florenkowski selbst die Stellen, manchmal das Jobcenter. Und manchmal ging gar nichts mehr: "Es gab auch Phasen, wo ich einfach depressiv war und viel zu wenig dafür getan habe, wieder fest in Arbeit zu kommen. Wenn man so die dritte negative Erfahrung hintereinander hat, das Selbstbewusstsein wächst nicht und man fängt vielleicht auch mal an, sich hängen zu lassen."

Während Oliver Florenkowski von dieser schwierigen Zeit erzählt, kommt Alexander Schubert zu unserem Treffen hinzu. Schubert - ein junger, fröhlicher Typ - ist  Arbeitsvermittler im Jobcenter Reinickendorf. Seine Einstellung lautet: Jedem kann es passieren, dass er in eine unfassbar schlechte Lage kommt und ich denke, jeder - auch auf Arbeitsvermittlerseite – sollte sehen, dass er auch mal in diese Lage kommen kann und dann sicherlich sehr glücklich wäre, jemanden auf der anderen Seite zu haben, der ihm dann die helfende Hand reicht und sagt: So, folgende Sachen haben wir hier und das kann ich dir jetzt anbieten. Wie wollen wir weiter verfahren?"

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Dominik Lenz befragt den Inhaber einer Mühle (Foto: Inforadio/Kattner)
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