Abflugtafel mit vielen gestrichenen Flügen (Bild: imago stock&people)
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- Die Ärger-Übernehmer für Reisende

Der Flug fällt aus, die Passagiere bleiben auf dem Airport sitzen. Die Bahn verspätet sich und der Anschlusszug ist weg. Oder: Der Fernbus kommt zwar an, doch das Gepäck ist weg. Reisen macht nicht nur viel Spaß, manchmal sorgt es auch für viel Ärger. Wer dann eine Entschädigung geltend machen will, verliert sich ganz schnell im Papierkrieg. Die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr in Berlin-Charlottenburg hilft. Wie? Das wollte Thomas Rautenberg wissen.  

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Zum Geburtstag eines Freundes hatte sich Jan Gehring etwas Besonderes einfallen lassen: Der 33-jährige Immobilienkaufmann hatte zwei Karten für das Stones-Konzert in Amsterdam besorgt, inklusive Hin- und Rückflug mit easyjet.

Zwei tolle Tage Anfang Oktober sind das gewesen, erinnert er sich, die Katerstimmung kam allerdings auf dem Airport, als er sah, dass der Rückflug nach Berlin gecancelt war: “Dann sind wir gleich zum Personal der Fluggesellschaft hingelaufen. Dort standen schon viele aufgebrachte Leute und uns wurde mitgeteilt, dass kein Bordpersonal zur Verfügung stehen würde und deshalb der Flug gestrichen worden wäre.“

Jan Gehring und Franziska Flans bekommen Schadenersatz (Bild: rbb inforadio/Thomas Rautenberg)
Jan Gehring und Franziska Flans bekommen Schadenersatz | Bild: rbb Inforadio/Thomas Rautenberg

Ersatzflug ja, Schadenersatz nein

Jan Gehring sollte sich selbst um seinen Rückflug kümmern. 19 Stunden später waren er und sein Freund zurück in Berlin. Die 1.100 Euro, die er für die Tickets bei einer anderen Airline bezahlen musste, hat easyjet erstattet.

Bei der fälligen Entschädigung in Höhe von 500 Euro aber stellte sich das Unternehmen quer. Easyjet machte höhere Gewalt für den Ausfall des Fluges geltend und ließ Gehring mit seinen Forderungen abblitzen. Immer und immer wieder, bis der frustrierte Immobilienkaufmann mit den Nerven am Ende war:„Ich wollte da nicht noch weiter versuchen, meinen Schadensersatz einzuklagen. Ich gab mich letztlich zufrieden damit, dass ich wenigstens das Geld für den Ersatzflug zurückbekommen hatte.“

Die Schlichtungsstelle handelt schnell

Doch Gehrings Lebensgefährtin Franziska Flans wollte die Sache nicht auf sich beruhen lassen. Wenn es einen Anspruch auf Entschädigung gibt, dann müsse easyjet auch zahlen, war die junge Frau mit den streng nach hinten gekämmten Haaren überzeugt: „Ich habe im Internet recherchiert, was kann man machen? Ich habe in Foren gelesen und bin dann auf die SÖP aufmerksam geworden, diese Schlichtungsstelle. Und dann habe ich einfach die Unterlagen zusammengetragen und den Vorgang dort eingereicht und war ganz überrascht.“

Überrascht vor allem, wie schnell es dann ging. Die Schlichtungsstelle - SÖP - kümmerte sich und vier Tage später hatte easyjet bereits eingelenkt, waren auch die 500 Euro Schadensersatz auf dem Konto der Reisenden.  

Kein Einzelfall, sagt Heinz Klewe, Geschäftsführer der SÖP, auch wenn es nicht immer hundert Prozent für die Reisenden gibt und eine schwierige Schichtung bis zu drei Monate dauern kann: „Wir machen nichts anderes als Fahrgastrechte, Passagierrechte. Dadurch, dass wir uns diesen Bereich spezialisiert haben, haben wir auch das entsprechende Know-How und wissen, wie wir mit den einzelnen Fällen umzugehen haben.“

Die SÖP sitzt in einem Bürohochhaus in der Berliner Fasanenstraße.  Die Verbraucherschlichtungsstelle ist von der Bundesregierung anerkannt und von der EU zertifiziert. Ob Flug, Bahn, Fernbus, Schiff oder öffentlicher Nahverkehr - wer als Reisender ein Problem hat, kann sich an die SÖP wenden.  

Finanziert wird die Schlichtungsstelle über Mitgliedsbeiträge der verschiedenen Verkehrsunternehmen und eine so genannten Fallpauschale, die die Firmen bei jeder erfolgten Schlichtung zahlen müssen - egal, wie sie ausgeht. Einfluss auf die Schlichtung haben die Mitgliedsunternehmen nicht.  

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Dominik Lenz befragt den Inhaber einer Mühle (Foto: Inforadio/Kattner)
Inforadio/A. Kattner

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