Panzersperren gegen China auf Kinmen - im Hintergrund Xiamen
ARD/Jürgen Hanefeld
Bild: ARD/Jürgen Hanefeld

- Küchenmesser aus Granathülsen

Die Kinmen-Inseln sind ein Kuriosum. Sie liegen direkt vor der Küste Chinas, gehören aber zum weit entfernten Taiwan. Jahrzehntelang wurden sie bombardiert. Obwohl das Eiland in Chinas Sichtweite liegt, haben es die Kommunisten nie geschafft, Kinmen zu erobern. Heute präsentiert sich die kleine Insel als kuriose Mischung aus Kriegsschrott und Idylle, imposanten Bunkeranlagen und liebevoll restaurierten Bauernhäusern, in denen Gäste übernachten können. ARD-Korrespondent Jürgen Hanefeld hat Kinmen besucht.  

Das heutige Taiwan ist ein Ergebnis des chinesischen Bürgerkrieges. Kaum hatten die Japaner den Zweiten Weltkrieg verloren und zogen sich aus China zurück, begann der Kampf der Kommunisten unter Mao Zedong mit den sogenannten Nationalchinesen unter Chiang Kai-shek um die Macht im Reich der Mitte. 1949 hatten Maos Truppen den Rivalen besiegt. Der aber war mit einer Million seiner Soldaten auf die Insel Taiwan geflohen.

Seither betrachtet sich Taiwan als "Republik China", die von der Volksrepublik China unabhängig ist. Inzwischen ist das Land technisch hochentwickelt - ein Industriestaat mit demokratischer Verfassung. Diplomatische Beziehungen zu anderen Ländern sind jedoch schwierig, da die meisten großen Staaten die Beziehungen zur Volksrepublik China pflegen - und diese verlangt, dass diplomatische Partner die Ein-China-Politik akzeptieren.

BILDERGALERIE

China sieht Taiwan als abtrünnige Provinz

Die kommunistische Führung in China betrachtet Taiwan nicht als selbstständiges Land, sondern als abtrünnige Provinz. Ihre Behörden gehen unter anderem gegen Verlage vor, die Taiwan in Büchern oder auf Landkarten als Staat darstellen. Anfang des Jahres ließen sie die chinesische Webseite der Hotelkette Marriott für eine Woche abschalten, die nicht nur Taiwan, sondern auch Hongkong und Tibet als Länder aufgelistet hatte.  

Das Verhältnis zwischen beiden Seiten ist seit dem Amtsantritt der neuen taiwanesischen Präsidentin Tsai Ing-wen vor zwei Jahren angespannt. Sie hatte die umstrittene Annäherungspolitik ihres Vorgängers beendet und geht auf Distanz zu Peking. Die kommunistische Führung droht ihrerseits mit einer gewaltsamen Rückeroberung.  

Streit um Luftraum

Derzeit herrscht ein Streit über die Kontrolle des Luftraumes zwischen China und Taiwan. Zum chinesischen Neujahrsfest haben chinesische Airlines 176 zusätzlich geplante Flüge nach Taiwan gestrichen. Wie Chinas Staatsfernsehen am Dienstag berichtete, haben China Eastern und Xiamen Airlines die Flüge abgesagt, mit denen in China lebende Taiwanesen und chinesische Touristen über die Feiertage Mitte Februar fliegen wollten. Taipeh hatte Anfang Januar die Genehmigung verweigert.

Der Streit war entflammt, als China einseitig neue Luftkorridore für kommerzielle Flüge über dem Seeweg der Taiwanstraße eingerichtet hatte, die näher als bisher an Taiwan liegen und aus Taipehs Sicht ein Sicherheitsrisiko für die Verteidigung der Insel darstellen. Drei neue Flugrouten überlappen sich zudem mit taiwanesischen Flugstrecken zu den Inseln Matsu und Kinmen vor Chinas Küste, die von Taiwan kontrolliert werden. Erst seit 2008 gibt es regelmäßige Direktflüge zwischen beiden Seiten.

(mit Material von: AP und dpa)

Zurück zur Übersicht

Dominik Lenz befragt den Inhaber einer Mühle (Foto: Inforadio/Kattner)
Inforadio/A. Kattner

Nahaufnahme

Reportagen zum aktuellen Zeitgeschehen: Journalisten des rbb und ARD-Auslands-Korrespondenten geben einen Einblick in unterschiedlichste Lebenswelten.