Demonstranten verbrennen selbstgemalte israelische Flaggen bei einer Demo in Berlin-Neukölln Mitte Dezember 2017 (Bild: imago/F.Boillot)
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- "Es ist nicht normal, Jude in Berlin zu sein"

"Ihr werdet alle in den Gaskammern landen!" Mit diesen Worten hat im Dezember ein Deutscher den Israeli Yorai Feinberg vor dessen Restaurant in Berlin-Schöneberg angegriffen. Auch bei Protesten gegen die Verlegung der amerikanischen Botschaft nach Jerusalem wurden Juden beschimpft. Antisemitismus ist ein reales Problem in der Hauptstadt, doch es ist nicht so einfach, ihn systematisch zu erfassen und dagegen vorzugehen, wie Inforadio-Reporterin Frankziska Hoppen herausgefunden hat.  

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Ihre Freunde wollen weg aus Berlin. Sie haben Angst. Das sagt die jüdische Schauspielerin Adriana Altaras Inforadio im vergangenen Dezember - als die Proteste gegen Trump und Israel besonders laut sind. Wir diskutieren in der Redaktion. Hat der Antisemitismus in Berlin zugenommen? Wollen deswegen mehr Juden wegziehen?

Es ist schwierig, Gesprächspartner zu finden. Die Presse heize die Stimmung an, heißt es mehrfach am Telefon. Berichte über die "armen Juden" - in der Vergangenheit habe das nur zu Feindseligkeit geführt. Vorwürfe wie "Opferrolle" und "Übertreibung" sind schnell bei der Hand.

Mehr Erfolg bringt die Berliner Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus. Deren Gründer Benjamin Steinitz sagt: "In einer Situation in der Antisemitismus von der nicht jüdischen Mehrheitsgesellschaft als kein richtiges Problem beschrieben wird, in der Antisemitismus zumindest öffentlich sanktioniert ist und stark tabuisiert, warum sollte ich mich als Jude hinstellen und sagen, ich bin Opfer von Antisemitismus geworden?"

Das erklärt, warum es kaum Zahlen gibt. Laut Polizeistatistik gab es in Berlin im vergangenen Jahr 228 Fälle von antisemitischer Gewalt. Die Mehrheit davon rechtspolitisch motiviert. Einen realistischen Überblick verschafft die Statistik aber nicht, sagt Steinitz. Denn: "Dafür müssen Leute die Anzeige machen, dafür muss das antisemitische Motiv von den Beamten erkannt werden, also das sind ziemlich viele Hürden, bis so ein Vorfall dann in der Statistik Einzug hält. Wir werden nie das Phänomen Antisemitismus adäquat in Zahlen abbilden können.“

Infos im www

Dossier der Bundeszentrale für politische Bildung - Was heißt Antisemitismus?

2015 gründete Steinitz deshalb die Berliner Recherche-und Informationsstelle Antisemitismus, kurz RIAS. Sie hat das Berlinweite Melde-Netzwerk report-antisemitism.de aufgebaut, auf der Menschen zum Beispiel Beleidigungen, Sachbeschädigungen oder körperliche Gewalt melden können - Erlebnisse, die sonst durch die Statistik fallen, weil etwa Beweismaterial fehlt. Ein Auszug:

4. März, 2016. Tempelhof-Schöneberg. Kategorie: Antisemitische Beschimpfung und Angriff mit einer Glasflasche. Am 4. März wurde ein 75 Jahre alter Rentner abends am U-Bahnhof Walther-Schreiber-Platz als "Judensau" beschimpft. Der 27 jährige Täter zeigte den Hitlergruß und schlug dem Betroffenen mit einer Glasflasche gegen den Kopf. Dieser wurde glücklicherweise nur leicht verletzt.

15. Oktober, 2016. Berlin Mitte. Kategorie: Beschimpfung in U-Bahn: Am 15. Oktober beschimpfte eine Passagierin am Oranienburger Tor den U-Bahnfahrer einer defekten U6 als "du scheiß Judenschwein". Die anderen Passagiere schauten höchstens irritiert.

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Dominik Lenz befragt den Inhaber einer Mühle (Foto: Inforadio/Kattner)
Inforadio/A. Kattner

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Reportagen zum aktuellen Zeitgeschehen: Journalisten des rbb und ARD-Auslands-Korrespondenten geben einen Einblick in unterschiedlichste Lebenswelten.