HANDOUT - 01.11.2018, ---: Teo Yoo als Viktor (r) und Irina Starshenbaum als Natascha in einer Szene des Films "Leto" (undatierte Filmszene)
Weltkino Filmverleih GmbH
Bild: Weltkino Filmverleih GmbH

- Kinostart für Schwarz-Weiß-Erzählung "Leto"

In Moskau hat am Mittwoch der weiterführende Prozess gegen den russischen Bühnen- und Filmregisseur Kirill Serebrennikov begonnen, der seit einem Jahr im Hausarrest sitzt. Sein neuer Film "Leto" kommt nach der gefeierten Premiere in Cannes nun bei uns regulär in die Kinos. Mehr über "Leto" und die weiteren Filmstarts "Aufbruch zum Mond", "Back to the Fatherland" sowie "In My Room" von Inforadio-Filmkritiker Alexander Soyez.

Eine auf Memoiren basierende Biographie aus dem Prä-Perestroika Russland, gedreht in schwarz-weiß, weil nichts anderes vorstellbar gewesen wäre. Das hätte genauso gut ein betulich-geschichtsbewusstes Pflichtprogramm von Kirill Serebrennikow über die Anfänge zweier wichtiger russischer Musikhelden werden können, ist aber nichts weniger als ein grandioses Kino, Punk-Rock und Jugend-Fest.

Leto – übersetzt: Sommer – erzählt die Dreiecksgeschichte von Zoopark-Sänger Mike Naumenko, seiner Frau Natascha und natürlich von den Anfängen des späteren Superstars Viktor Zoi, von der Leidenschaft für Dylan, Bowie, T-Rex oder den Doors und von dem, was sich in der staatlich kontrollierten Sowjetunion Anfang der 80er daraus entwickelt und sich anfühlt alswäre man in den westlichen 60s.

Es gibt nicht nur Musik zu hören, es gibt auch ausgewachsene, grandios, träumerisch, rebellisch und durch Animationen überzeichnete Musical-Einlagen, die trotzdem nahtlos in diesen unaufdringlich-überwältigenden Aufbruch in eine neue Zeit-Erzählung passen. Kein Politdrama, aber politisch in jedem und jedem Ton, keine klassische Künstlerbiographie, aber das Wesen eines späteren Stars auf den Punkt gebracht – und selbstverständlich eine Liebeserklärung an die Kraft der Musik.

Aufbruch zum Mond

Ein bisschen mehr Musicalcharakter hätte auch "Aufbruch zum Mond" nicht geschadet. Und wäre auch zu erwarten gewesen, schließlich hat "Whiplash" und "Lalaland"-Regisseur Damien Chazelle bislang nur Musicals gemacht.

Und der Film über den von Ryan Gossling gespielten ersten Mann auf dem Mond Neil Armstrong und seinen Weg dorthin hat tatsächlich dann seine besten Momente, wenn die brutalen Tonkulissen der Raketenfliegerei zu einer Art Musikeinlage werden und klarmachen, was für ein Wahnsinn die Sache mit dem ins All fliegen damals in den 60ern war.

Die schiere Lautstärke ist in den eindrucksvollsten Momenten des Films bezeichnend für die explosive unbändige Urgewalt, mit der man damals Menschen ins All geschossen hat und dieser Eindruck das Beste an "Aufbruch zum Mond" während die Ergründung der emotionalen Reise Neil Armstrongs zwar den großen Rest ausmacht, aber eher wie ein leises am-Thema-vorbei-Flüstern wirkt. Eindrucksvoll trotzdem: Aufbruch zum Mond.

Back to the Fatherland

Gil Levanon, Enkelin eines Holocaustüberlebenden und die Österreicherin Kat Rohrer, Enkelin eines Nazi Offiziers, spüren in ihrer Gemeinschaftsdokumentation "Back to the Fatherland" den Ängsten, Vorurteilen und dem Umgang der jungen Generation mit dem immer präsenten Holocaust-Erbe nach. Die Perspektive ist israelisch: Geschichten von Überlebenden, Familien und Freunden und vor allem von zwei Israelis, die nach Deutschland und Österreich gezogen sind.

"Back to Fatherland" zeigt in seinen besten Momenten eine faszinierende Umkehrung der Perspektive und oft einen eben nicht schon komplett ausgeleuchteten Blickwinkel. Genauso wie deutlich wird, dass die Enkelgeneration die Geschichte Israels und des Holocaust auch als Last sieht, wird klar, dass noch lange keine Rede vom hinter sich lassen sein kann und darf.

In My Room

Ulrich Köhlers "In My Room" zeigt, wie aus einem in unserer Welt eher strauchelnden Kerl ein sesshafter Erwachsener wird, als auf einmal alle anderen Menschen verschwinden und er als eine Art neuer Adam in einer leeren Welt zu überleben versucht.

Trotz End-of-the-World-Fantasie alles andere als ein deutsches Genrewerk. Eher Psychogramm und Beziehungsdrama, etwas ausufernd - aber nie langweilig.

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Probe Staatsballett "Herrumbre" (Bild: dpa)
dpa

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