Bis die Sterne zittern (Bild: Kristina Stang/Junges DT)
Kristina Stang/Junges DT
Bild: Kristina Stang/Junges DT

- Aufwühlende Geschichte "Bis die Sterne zittern"

Immer in den Sommerferien erarbeitet eine Gruppe Jugendlicher fürs Junge DT in Berlin eine szenische Lesung eines aktuellen Jugendbuchs. In diesem Jahr war es der Roman "Bis die Sterne zittern" des Leipziger Autors Johannes Herwig. Dieser erzählt die Geschichte über die "Leipziger Meuten" - wilde, bunte Cliquen von Jugendlichen, die sich dem Nazi-System verweigerten. Eine Premierenkritik von Magdalena Bienert.

Leipzig 1936. "Was hab ich gemacht?" "Du hast die Fahne nicht gegrüßt"!

"Bis die Sterne zittern" erzählt vom 16jährigen Harro Jäger. Der Lehrersohn wurde zwar regimekritisch erzogen aber seine Eltern schicken ihn trotzdem zur Hitlerjugend, doch Harro eckt immer wieder an. Eines Tages bekommt er unerwartet Unterstützung.

"In die Gruppe der Hitlerjungs hatten sich mehrere Keile anderer Kerle geschoben, ihre Kleidung wich deutlich von dem ab, was man so kannte. Sie sahen verwegen aus. "Was´n los?" fragte ein großer Bursche mit viel zu langen, strohblonden Haaren, nachdem die Hitlerjungs abgezogen waren. "Hab die Fahne nicht gegrüßt" der Blonde grinste: "Bestens!"

Fiktive Geschichte mit historischem Hintergrund

Harro wird Teil einer oppositionellen Clique. Die "Leipziger Meuten" gab es wirklich, sie waren die größte Jugendbewegung, die sich gegen das Nazideutschland stellte. Die Geschichte von Harro und seinen Freunden ist fiktiv, beruht aber auf den Recherchen über die "Leipziger Meuten" von Autor Johannes Herwig. Sein Debut erschien im letzten Jahr und ist aktuell für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

"Seine Stirn setzte genau zwischen Augenbraue und Nasenbein auf, es knirschte und knackte, ich taumelte, strolperte und verlor das Gleichgewicht."

In den Berliner Sommerferien hat eine Gruppe Jugendlicher von LesArt, dem Zentrum für Kinder- und Jugendliteratur, gemeinsam mit dem Jungen DT diese szenische Lesung erarbeitet. 18 Mädchen und Jungen teilen sich alle Figuren, lesen oder sprechen frei. Sie machen den mitunter brutalen, dann wieder poetischen und spannenden Text fühl- und erlebbar. Autor Johannes Herwig ist zur Premiere in der rappelvollen Box dabei und erzählt hinterher, dass er den Regisseurinnen Sofie Hüsler und Kristina Stang freie Hand gelassen hat.

"Ich hab gesagt, ich hab eigentlich alle Szenen lieb und alle Figuren so lieb und auch alle Details, dass ich jetzt nicht sagen kann: hier da, könnt Ihr jetzt was machen, oder eben nicht. Ich hab das abgegeben und in die Hände von den Leuten gelegt, die diese szenische Lesung realisiert haben und ich fand es mega gut, Wahnsinn. Ich bin wirklich völlig geplättet!" 

Wer möchte und wer kann ich sein?

Harro verliebt sich in Käte aus seiner Klicke.

"Wir lagen auf dem Bett und schauten uns an. Ich fuhr durch Kätes Haare. Sie war nicht einmal so nackend wie mein kleiner Finger aber weich wie Feder."
"Die Jungs aus meiner Klasse schwärmten für die Lockenpracht von Käte Hildebrand und Marlene Dietrich. Doch auch ich fand Käte großartig so wie sie war."

Dann wieder brutale Verhöre bei der Gestapo. Ein Freund wird nachts abgeholt und verschwindet für immer, weil er Jungs mag. Eine aufwühlende Geschichte, wunderbar von der jungen Gruppe widergegeben und am Ende bleiben die inmer noch aktuellen Fragen, "Wer möchte und wer kann ich sein"?

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