Kulturakademie Libyen (© Zayene Bechir )
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Bild: © Zayene Bechir

- Junge libysche Kulturmanager zu Gast in Berlin

Libyen wird bei uns überwiegend als gescheiterter Staat wahrgenommen oder durch die brutale Flüchtlingspolitik an der Mittelmeerküste. Trotz der politischen Instabilität existiert dort aber eine begrenzte Kulturszene. Jetzt sind zwölf junge Kulturmanager im Rahmen der "Kulturakademie Libyen" des Goethe-Instituts zu Gast in Berlin. Kulturreporterin Ute Büsing hat sie getroffen.

Sie kommen aus Tripolis und Bengasi, aus dem Exil in Tunis und Kairo. Viele von ihnen sind Architekten oder Journalisten. Alle Zwölf eint das zivilgesellschaftliche Engagement. Sie repräsentieren die libysche Generation Zukunft und sie sind sich dessen auch bewusst. Wie die Architektin und Frauenrechtlerin Srur Alakari. Die 25-Jährige leitet einen Co-Working-Space in Tripolis. Dort organisiert sie Workshops zu Kunst, Kulturerbe und Stadtplanung. "Wir setzen auf die Jugend: auf Designer, Architekten, Künstler. Sie haben Energie, Visionen. Sie sind diejenigen, die den Wechsel vorantreiben. Es gibt Höhen und Tiefen, klar. Aber wir haben eine Community zusammengebracht. Wir haben 400 Mitglieder und zu unseren Veranstaltungen kommen 20 bis 25 Leute, die dieselben Interessen haben. Wir halten das überhaupt nicht geheim, im Gegenteil: unsere Ankündigungen sind überall in den sozialen Netzwerken zu finden."

Besondere Schwierigkeiten

Selbst in der inzwischen relativ sicheren libyschen Hauptstadt Tripolis sind die Bedingungen für Kunst und Kulturproduktion alles andere als ideal. Es fehlt an Infrastruktur, Fördermitteln und Vernetzung. Aber die zarten Pflänzchen lohnen das Begießen. Zuhair Abusrewil, auch er Architekt, arbeitet an einer Plattform für libysche Kulturgeschichte. Kunst und Kultur, sagt der 32-Jährige, sind die besten Mittel die zerfallene Gesellschaft  zu einen.

Die zwölf libyschen Berlin-Besucher sind gut ausgebildet und sie entstammen überwiegend der Mittelschicht, die sich während des Gaddafi-Regimes und auch in den blutigen Revolten danach gehalten hat. Libyer dürfen reisen und sie haben freien Zugang zum Internet. Aber bewaffnete Banden und Milizen verhindern ein geregeltes Alltagsleben und Menschenrechtsaktivisten haben einen schweren Stand.

Traditioneller Kulturbegriff

Die meisten haben das Ideal einer "libyschen Kultur", die sich auf die reichen Traditionen des nordafrikanischen Landes bezieht: auf Griechen, Phönizier, Karthager, Römer - also keineswegs nur auf den arabischen Macht- und Einflussbereich. Gleichzeitig wollen sie zeitgenössische Kunst- und Kultur vermitteln. Ein schwieriges Unterfangen, ohne Hilfe westlicher Geldgeber kaum möglich.

Der Workshop des Goethe-Instituts ging schon in Tunis los. Hier wurden der Gruppe die Grundlagen modernen Kulturmanagements näher gebracht. In Berlin besuchen sie jetzt die Akademie der Künste, das Humboldtforum und C/O Berlin, den Bundestag und das Auswärtige Amt, um Kontakte zu knüpfen und Kooperationspartner zu finden.  

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