Georgette Dee (li) und Cora Frost
Sven Ihlenfeld
Bild: Sven Ihlenfeld

- Kampfansage an Sentimentalitäten: Dee Frost Welt-Lieder

Georgette Dee und Cora Frost haben das neue deutsche Chanson entscheidend geprägt. Sie standen vor 20 Jahren zuletzt gemeinsam auf der Bühne. Am MIttwochabend haben sie im Berliner Tipi ihr Gemeinschaftsprogramm "DEE Frost Welt – Lieder" uraufgeführt. Ute Büsing war dabei.

Zwei Hohepriesterinnen des Undergrounds treffen sich zum Welt-Gipfel. Einem Hexensabbat, inklusive Hölle und Paradies. Sie nehmen einander nichts, sie geben sich. Tauschen uneitel ihre Hymnen, covern sich gegenseitig. Ergänzen sich in Wechselgesängen und treffen sich im noch porösen Duett. Heraus kommt ein anrührendes dreistündiges Sommerkonzert voller märchenhafter Momente und skurriler Abseitigkeiten. Ein langer Abend für Liebhaberinnen.

Die Welt der "Lost Boys & Girls"

Dee und Frost verhalten sich zueinander wie zwei Seiten einer Medaille. Und die spielen und spinnen sie aus. Beide sind früh aus den Allerweltswelten gefallen, haben sich nie mit Mengen- und Massengeschmack aufgehalten, sondern ihren Blick und ihre Songs geschärft für randständige Schönheit und die Poesie des Alltags. Sie spielen souverän mit Geschlechterrollen und finden in der Umdeutung deren wahren Kern. Und werden dafür geliebt von ihrem nicht nur queeren Publikum.

Ein Sommer-Liederabend der Königinnen und Dreamboys

Ihre gemeinsame Bühne ist ein florierender Sommergarten mit Schaukel zum Ausruhen für die, die grad nicht singt. Oder Georgette geht mal eben einen üppigen Fruchtcocktail holen, auch für die vorzügliche Band, die Dreamboys. Mit denen wurden die Arrangements gesponnen: alte Lieder mit völlig neuem rockigen Klang, wilde Ritte auf dem Sturm des Gutmenschentums. Coverversionen für Priesterfrauen. Operettenhaftes steht neben Punkigem. Alles in sehr viel roten Nebel getunkt.

Georgette Dee und Cora Frost, zwei Königinnen ihrer Zukunft, des Chansons, sie machen Sentimentalitäten eine Kampfansage. Und doch schwingt hier jede Menge Erinnerung mit. An Georgettes von Alkohol und Zigaretten befeuerte Liedabende und Coras ungestüme Kunstweltweihen. An den gemeinsamen Abend "Diva Gut" - zusammen mit der Popette Betancor und Mouron vor 20 Jahren. Die meisten im jubelnden Publikum teilen diese Erinnerungen - und die taufrisch gebliebenen "Illusions". 

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