Szene aus "Shadow of the Colossus"
Sony
Bild: Sony

- Ganz großes Gefühls-Gaming: "Shadow of the Colossus"

Eine häufig geäußerte Kritik an der Spiele-Industrie ist die, dass es immer weniger wirklich neue Spielideen und stattdessen nur noch Fortsetzungen, Remakes oder Erweiterungen gibt. So ist es tatsächlich auf in dieser Woche – doch das lässt sich Inforadio-Spiele-Experte Christoph Parker gerne gefallen, wenn das Ergebnis so gut ist wie bei "Shadow of the Colossus" und "Civilization VI: Rise & Fall", den beiden Spielen, die er dieses Mal getestet hat.

"Shadow of the Colossus" eröffnete Gamern 2005 eine ganz neue Welt: Da war ein Spiel, das nicht bunt und plakativ daher kam, sondern kunstvoll und subtil. Das nicht auf Massen von Gegnern und Funktionen setzte, sondern auf spartanisches Gameplay und wenige Kämpfe, von denen keiner so funktionierte, wie der davor. Das mit fahlem Licht, ausgewaschenen Farben und so gut wie keinen Dialogen auskam und es trotzdem schaffte, eine faszinierende Geschichte zu erzählen und dabei große Emotionen zu wecken. Es ist die Geschichte eines Paktes zwischen einem jungen Mann und einem körperlosen Wesen: Das verspricht, der toten Geliebten des Mannes ihre Seele zurück zu geben, wenn der Jüngling im Gegenzug die 16 einzigartigen Kolosse tötet, die das verwunschene Land bevölkern. Jene zum Teil hochhausgroßen Wesen aus Stein und Fell, jedes einzigartig und von bizarrer Schönheit – und keines von ihnen aggressiv oder böse. Und so belegte das Spiel seinen Spieler mit einem stetig anwachsenden mulmigen Gefühl in der Magengrube und zwang ihn dazu, sich mit Themen wie Egoismus und Schuld auseinanderzusetzen.

Spiel mit eingebautem Schuldgefühl

Ein solches Maß an auferlegter Selbstreflexion überforderte den gemeinen Baller-Freund komplett – und gerade deswegen ist "Shadow of the Colossus" bis heute Kult. Da ist es ein Geschenk des Spiele-Himmels – oder wahlweise von Sony - , dass nun also das Remake erschienen ist: Und zwar ein echtes Remake. Nicht irgendwie in HD umgerechnet, sondern von der Pieke auf  neu programmiert. Da hätte eine ganze Menge schief gehen können – ist es aber nicht. Das neue "Shadow of the Colossus" hält sich fast sklavisch an das Original, bis hin zu den Kameraperspektiven und dem wundervollen Soundtrack. Lediglich das Gameplay wurde minimal an heutige Controller angepasst – und: Es sieht eben jetzt aus wie ein Spiel von 2018. Dank dieses behutsamen Umgangs ist es gelungen, die einzigartige Atmosphäre des Originals in die neue Version herüber zu retten, die jeden, der es zulässt, wieder unendlich traurig macht und ihm die Frage stellt, zu welchen Taten er bereit ist, um zurück zu bekommen, was er verloren hat. Ganz große Kunst: "Shadow of the Colossus".

Screenshot aus "Civilization VI" (Bild: 2K)Szene aus "Civilization VI: Rise & Fall"

Civilization VI: Rise & Fall

Noch nicht ganz so lange – nämlich knapp 1,5 Jahre – gibt es Civilization VI, die großartige Aufbau-Simulation, bei der man die Geschicke einer ganzen Zivilisation durch die Jahrtausende hindurch lenken muss. Das hat nun eine Erweiterung namens „Rise & Fall“ spendiert bekommen – Aufstieg und Fall also. Und die dreht ganz schön am Rad der Geschichte. Neben neuen Zivilisationen, zwischen denen man sich entscheiden kann, neuen Weltwundern, die es zu entdecken gibt, bietet das Add-On vor allem ein paar spielerische Änderungen, die es in sich haben: So reicht es nicht mehr, Städte zu bauen und wirtschaftlich zu versorgen, vielmehr muss man auch darauf achten,  die Loyalität seiner Bürger nicht zu verlieren. Denn passiert das, rebellieren sie und sagen sich vom Reich des Spielers los. Und fängt eine Stadt an, beeinflusst das alle anderen im Reich. Also muss man noch besser darauf achten, welche Bedürfnisse und Wünsche die Bevölkerung hat. Das macht das Spiel weniger berechenbar und noch spannender. Eine enorm sinnvolle und lohnenswerte Erweiterung: "Civilization VI: Rise & Fall".

Auch auf inforadio.de

Probe Staatsballett "Herrumbre" (Bild: dpa)
dpa

Kultur

Der Wegweiser durch die weite Berlin-Brandenburgische Kulturlandschaft: Premierenkritiken, Film- und Musik-Tipps, Buchbesprechungen und Rundgänge durch aktuelle Ausstellungen. Die Kultur präsentiert das Wichtigste aus den Theater- und Kinosälen, Opern- und Konzerthäusern, Museen und Galerien und anderen Kulturräumen der Region und darüberhinaus.