Buchcover: Helvetia 2.0 - Urs Augsburger
Verlag Klett Cotta
Bild: Verlag Klett Cotta

- Krimi-Tipp: "Helvetia 2.0" von Urs Augstburger

Rechte Parteien werden in Europa immer stärker und so mancher befürchtet, dass sie auch in den Medien immer mächtiger werden oder diese gar übernehmen könnten. So wie es der italienische Politiker Silvio Berlusconi einst vorgemacht hat, mit der Zusammenlegung von politischer Macht, Vermögensmacht und Medieneinfluss. Der Schweizer Urs Augstburger hat das zum Thema seines neuesten Thrillers gemacht. Ulrike Bieritz hat "Helvetia 2.0" gelesen und stellt den Krimi und den Protagonisten vor.

Anders Droka ist Radiomoderator, der die Schlaflosen in den Morgen begleitet. Mit ausgefallener Musik, seiner unverwechselbaren Stimme und küchenphilosophischen Weisheiten sendet er nachts auf Radio 1010. Früher eine kleine und unabhängige Radiostation. Heute in Besitz eines mächtigen Medienunternehmers ist. In der Regie sitzt Rosa sitzt die Chefin des Senders, mit einer schlechten Nachricht im Gepäck.

ZITAT: Noch traut Rosa Welte sich nicht, Anders mit der bitteren Wahrheit zu konfrontieren. Keiner geht gern in den Löwenkäfig, vor der Fütterung schon gar nicht. Nach der Absetzung von "Into the night" soll Anders in der publikumsreichen Morgenschiene eingesetzt werden. Entgegen jeder Logik, aber im Auftrag von oben.

In Wahrheit wollen sie ihn loswerden, was Anders weiß und deshalb von sich aus geht. Radio 1010  gehört der Wasmeier – Consulting, einem Familienunternehmen, dem ein Fußballclub, ein Forschungsinstituts, diverse Medienunternehmen und mehrere Stiftungen gehören. Der alte Wasmeier hat zudem auch noch eine rechte Partei gegründet, die jetzt ins Parlament drängt. Der aufgestellte Kandidat ist Peter Bender, der auch die Geschäfte der Firma führt.

ZITAT: Peter Bender tummelt sich schon lange genug im Korridor der Macht, er weiß alles darüber. Wie man die Macht ausdehnt, wie man sie ausübt, er kennt alle Schattierungen des Manipulierens, alle Spielchen. Er wird sich in der Politik zurechtfinden. Eherne Prinzipien hat er nie gehabt, das wird helfen. Sein Aussehen ohnehin.

Nach seiner letzten Sendung kurvt  Moderator Anders Droka mit seinem Motorrad ziellos durch Zürich. Ein SUV streift ihn, er fährt hinterher und beobachtet einen Unfall. Beim Näherkommen, sieht er, der Fahrer ist tot.

Die Polizei spricht von Selbstmord, was nicht stimmt, wie Anders weiß. Er fürchtet, dass man ihm den Mord in die Schuhe schiebt, denn er hat ein Motiv: der Tote war für die Entlassungswelle im Sender zuständig.  Anders taucht unter, macht sich auf die Suche nach dem Mörder und hat schnell einen Verdacht.

ZITAT: Bender, die Wasmeier-Consulting, ein Mord. Wem ist er bloß in die Quere gekommen? Von einem Tag auf den anderen ist alles in Frage gestellt. Er ist arbeitslos. In dieser Sparte, wo ohnehin kein Stein auf dem andern bleibt. Die Digitalisierung, das hat er schon lange befürchtet, wird seinesgleichen fortfegen und letztendlich den Unheimlichen in die Hände spielen. Bender, Wasmeier und Konsorten.

Anders lernt eine Freundin von Bender kennen, eine Musikerin, in die er sich natürlich verliebt. Gemeinsam fahren sie nach Saint Tropez, entdecken die Hintergründe des Mordes und dabei die wahren Machenschaften der Wasmeier Consulting auf, die mit den Flüchtlingsströmen nach Europa zu tun haben.

Urs Augstburger lässt sich nichts aus und spart dabei nicht an Klischees. Zeichnet die neue Medienwelt in den dunkelsten Farben. Sex, Crime und wenig Rock'n'Roll. Rechtspopulisten übernehmen die Macht in den Medien und in der Politik.

Allerdings hat der Autor etwas zu viel in seinen Krimi gepackt hat. Dennoch: "Helvetia 2.0." ist spannend und es gibt immer wieder überraschende Wendungen, auch wenn dem Autor manchmal etwas die Phantasie durchgeht.  Wer sich daran nicht stört, hat vergnügliche Stunden, die nachdenklich machen.

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