Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, spricht im Bundestag zu den Abgeordneten
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- "Für Veränderungen brauchen wir neue Bündnisse"

Seit Freitag läuft der digitale Parteitag der Grünen. Nach 18 Jahren will sich die Partei an diesem Wochenende ein neues Grundsatzprogramm geben. Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende der Grünen, fordert von ihrer Partei mehr Kompromissbereitschaft.

Die Erfahrung bei einem Parteitag allein auf der Bühne im Berliner Tempodrom zu stehen, während 700 Delegierte von zuhause zugeschaltet sind, sei schon komisch gewesen, sagt Annalena Baerbock, die Bundesvorsitzende der Grünen.

"Normalerweise lebt ein Parteitag auch davon die Köpfe zusammenzustecken, zu diskutieren und zu streiten, aber auch von Emotionen und Applaus“, findet Baerbock. Die aktuelle Lage erfordere aber eben auch andere Formate.

Neues Grundsatzprogramm

Einigen wollen sich die Grünen auf ein neues Grundsatzprogramm. Darin soll auch die Absicht verankert werden, neue Kompromisse und Bündnisse zu schließen. "Wir können notwendige Veränderungen etwa im Bereich Klima nur erreichen, wenn wir nicht nur mit den Klimaschützern sprechen, sondern auch mit den Arbeitern in der Industrie und Chemie, die von Veränderungen am deutlichsten betroffen wären“, sagt Baerbock.

Das neue Grundsatzprogramm bekennt sich auch zur NATO und zum Ziel des Wirtschaftswachstums. Passagen, die auch die Union als potenzieller Koalitionspartnerin nach der nächsten Bundestagswahl nicht entgangen sein sollten. Einen möglichen Konfliktpunkt mit der Basis oder der Grünen Jugend, die gerne weiter nach links rücken würde, sieht Baerbock hier jedoch nicht.

Diskussionen gehören dazu

"Das ist nicht Basis gegen Parteispitze“, glaubt die Parteivorsitzende. So viel Zusammenarbeit wie bei dem neuen Grundsatzprogramm habe es vorher noch nie gegeben. Für das Ziel schnellstmöglich klimaneutral zu werden, dürfe es keine Spaltung geben, sagt Baerbock.

Aber: "Erst aus der intensiven Debatte entsteht dann auch der Moment, in dem man sagt: ja, wir packen das." Kontroverse Diskussionen darüber zu führen, wie Veränderungen erreicht werden können, gehören für Baerbock dabei zur Geschichte ihrer Partei. „In die Kontroverse zu gehen, das machen wir seit 40 Jahren so.“