Das Jesuitengymnasium "Canisius - Kolleg" in Berlin-Tiergarten
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- Generalvikar: "Die Aufarbeitung ist weiterhin sehr schwierig"

Vor zehn Jahren wurde der Missbrauchsskandal am Berliner Canisius-Kolleg bekannt. Bis heute hält die Debatte über Entschädigungen an. Pater Manfred Kollig leitet die Verwaltung des Erzbistums Berlin. Er sieht die Aufarbeitung weiterhin als Prozess an.

Es wurde in den 10 Jahren seit Bekanntwerden des Missbrauchsskandals am Canisius-Kolleg in Berlin-Tiergarten viel getan, sagt Pater Mafred Kollig, der Generalvikar des Erzbistums Berlin. "Wir haben in den 10 Jahren auch immer schrittweise dazugelernt. Wir haben immer wieder neue Maßnahmen ergriffen, weil wir gemerkt haben, dass, was wir tun, reicht nicht aus.“

Opfer immer mehr im Mittelpunkt

Zum Beispiel seien in den 10 Jahren die Opfer viel mehr in den Mittelpunkt gerückt worden, so Kollig. Heute gelte im Erzbistum Berlin: Jedem der Opfer wird die Möglichkeit gegeben, mit dem Erzbischof oder der Bistumsverwaltung zu sprechen.

Im Erzbistum Berlin wurde bisher 23 Fällen sogenannte „Zahlungen in Anerkennung des Leids“ getätigt. Insgesamt wurden 89.000 Euro gezahlt, pro Fall im Schnitt also weniger als 3.900 Euro. Pater Kollig stellt jedoch klar, dass es sich dabei nicht um Entschädigungszahlungen handelt, "sondern um ein unbürokratisches Verfahren, um das Leid der Menschen, die sich an das Erzbistum gewandt haben, anzuerkennen.“

Entschädigungen brauchen juristische Verfahren  

Für Entschädigungszahlungen müsse man über juristische Prozesse reden, in denen die Schuldfrage und die Höhe von Entschädigungen dann klar entschieden werden, sagt der Generalvikar. Für die "Zahlungen in Anerkennung des Leids“ hingegen sei ausreichend, dass die beschuldigte Person zur entsprechenden Zeit einen Posten im Erzbistum Inne hatte.

Entschädigungszahlungen hingegen bräuchten eine detaillierte Prüfung. "Das ist natürlich oft schwer, auch weil die Fälle zum Teil 20 bis 50 Jahre zurückliegen, so Pater Kollig. Der Generalvikar will den juristischen Weg nicht ausschließen, aber dass sei ein ganz anderer Prozess, als der über den bisher geredet wird.

Die Aufarbeitung sei weiterhin sehr kompliziert. "Denn hier sind nicht nur Fakten im Spiel. Hier sind Einschätzungen gefragt und es gibt Gefühle, die zählen“, sagt der Generalvikar des Erzbistums Berlin.

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