Symbolbild: Ein verlorener Teddy liegt auf der Straße
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- Opferbeauftragter: Es entsteht der Eindruck, man könne sich freikaufen

Ein tragischer Verkehrsunfall mit Todesfolge wurde am Mittwoch vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten verhandelt - und endete mit einem Urteil, das aufhorchen lässt. Der beteiligte Autofahrer muss 200 Euro Geldstrafe zahlen und für einen Monat den Führerschein abgeben. Roland Weber ist Anwalt und Opferbeauftragter des Berliner Senats und erläutert, wie es zu dem Urteil kam.

Für viele Menschen "entsteht der Eindruck, für 200 Euro kann man sich hier freikaufen, wenn man einen Menschen zu Tode gefahren hat", so Weber. Aber: Tödliche Verkehrsunfälle kommen häufig vor. Alleine in Berlin gab es im Vorjahr 55 tödliche Verkehrsunfälle, bei so gut wie allen war Fahrlässigkeit und nicht Vorsatz im Spiel.

Prüfung der Fahrlässigkeit
Das Gesetz muss dann prüfen, wie groß die Fahrlässigkeit war, gegen welche Sorgfaltspflichten die Fahrer verstoßen haben.
Im Fall des getöteten Kindes hat der Autofahrer beispielsweise die Busspur benutzt und war zu schnell unterwegs - und das war falsch. Doch mit einem Kind, dass sich von der Hand der Mutter losreißt, habe er nicht rechnen können, so Weber. Das Gericht müsse dann prüfen, ob der tödliche Unfall hätte vermieden werden können.

Verhältnismäßigkeit des Schuldspruchs

Das Gericht legt nach der Ermessung der Schuld Tagessätze fest und berücksichtigt dabei die Einkommensverhältnisse des Verurteilten. Da der Mann noch Student sei und ohne festes Einkommen bei den Eltern lebe, wurden 200 Euro veranschlagt. Staatsanwaltschaft und Verteidigung waren sich darin ebenfalls einig. Aber Weber räumt ein: "Wenn die Strafe gemessen daran in gar keinem Verhältnis mehr steht, ist es für die Opfer oder Hinterblieben oft nicht mehr nachvollziehbar." Die exakte Herleitung des Bußgeldes könne beim Verständnis aber helfen.

Das Besondere an Unfällen sei oft der Faktor Fahrlässigkeit, erklärte Weber. Es steckte meist kein Vorsatz dahinter - ein Gericht müsse also befinden, wie schwer die Fahrlässigkeit der Verkehrsteilnehmer war.

Hintergrund: Tödlicher Unfall - 200 Euro Strafe
Ein Autofahrer ist wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 200 Euro verurteilt worden, weil er einen vierjährigen Jungen auf der Busspur erfasst und tödlich verletzt hat.

Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten entschied am Mittwoch, der 23-Jährige hätte den Unfall bei angepasster Geschwindigkeit vermeiden können. Es liege aber auch ein Fehlverhalten der Mutter vor. Die Ampel habe für Fußgänger auf Rot gestanden, als das Kind plötzlich auf die Straße gelaufen sei.

Das Unglück hatte sich im Oktober 2017 in Pankow-Heinersdorf ereignet. Der Angeklagte war mit bis zu 74 Stundenkilometern auf der Busspur rechts an einem Stau vorbeigefahren. Als der Junge losrannte, wurde er von dem linken Seitenspiegel erfasst. Der Vierjährige starb zwei Wochen später an seinen schweren Kopfverletzungen.