Oliver Krischer B90 Grüne (Bild: imago images/ Jens Jeske)
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- Kükentöten: "Tierschutzgesetz zu unpräzise"

Gibt es "vernünftige Gründe" für das millionenfache Töten von Küken? Darüber entscheidet am Donnerstag das Bundesverwaltungsgericht. Allein in Deutschland werden pro Jahr rund 45 Millionen männliche Küken kurz nach dem Schlüpfen getötet, weil sie keine Eier legen und nur wenig Fleisch ansetzen. Oliver Krischer, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen, hofft auf ein Verbot dieser Praxis - und sieht beim Tierschutz-Gesetz viel Verbesserungspotential.

Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet am Donnerstagvormittag, ob Geflügelbetriebe massenhaft männliche Küken töten dürfen. Das Land Nordrhein-Westfalen hatte diese Praxis untersagt - dagegen hatten zwei Brütereien geklagt und in den bisherigen Instanzen Recht bekommen.

Im Inforadio-Gespräch sagt der Vizechef der Grünen-Bundestagsfraktion Oliver Krischer, wie das Urteil heute ausfalle, sei völlig offen - auch wenn er darauf hoffe, dass es zu einem Verbot kommt. Außerdem kritisiert er, dass die Vorinstanzen den wirtschaftlichen Interessen der Brütereien Priorität eingeräumt hatten - wegen "ein paar weniger Cents", die ein Test zur Geschlechtsbestimmung im Ei kosten würde. Grund dafür sei unter anderem, dass das Tierschutzgesetz an vielen Stellen unpräzise sei. Er fordert deshalb die Bundesregierung auf, nachzubessern und das Kükentöten zu verbieten.

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Männliche Küken (Bild: dpa/ Bernd Wüstneck)
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Geschlechtsbestimmung von Küken soll 2020 kommen

Brutbetriebe dürfen männliche Küken vorübergehend weiter kurz nach dem Schlüpfen töten. Das hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig am Donnerstag entschieden. Ab 2020 sollen Brutbetriebe jedoch das Geschlecht der Tiere vorab bestimmen, sagte Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Hermann Onko Aeikens.

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