ARCHIV - 05.12.2012, ---: Eine Frau wird von einer Pflegerin betreut.
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- Pflegerats-Präsident: "Diese Reform kann nur ein erster Schritt sein"

Mit den Stimmen der Großen Koalition ist am Freitag im Bundestag ein umfassendes Pflegepaket auf den Weg gebracht worden. Angedacht ist ein Sofortprogramm für 13.000 neue Pflegestellen. Viel zu wenig, bemängelt der Präsident des Deutschen Pflegerats, Franz Wagner, im Inforadio. Dennoch sei das Gesetz eine "wichtige Reform, die auch ein deutliches Signal in die Berufsgruppe der Pflegenden hereinsendet." Das Gesetz könne dennoch nur ein erster Schritt sein.

Die angedachten 13.000 neuen Stellen seien viel zu wenig, bemängelt Wagner: "Wir bräuchten eher 50.000." In der Alten- und Krankenpflege sind rund 35.000 Stellen für Fachkräfte und Helfer unbesetzt. Doch woher nehmen in Zeiten des Fachkräftemangels? Als erstes müsse die Teilzeitquote reduziert werden, so Wagner: "Wir haben eine Teilzeitquote von über 60 Prozent. Wenn da nur jeder bereit wäre, ein, zwei oder drei Stunden mehr pro Woche zu arbeiten, wäre das schon ein Fortschritt." Und man müsse versuchen, die zehntausenden Ausgebildeten wieder in die Branche zurückzuholen. Priorität müssten ganz grundsätzlich mehr Investitionen in eine gute Ausbildung haben.

In Krankenhäusern soll laut Gesetz zudem künftig jede zusätzliche Pflegestelle komplett von den Krankenkassen bezahlt werden. In Kraft treten soll das Programm zum 1. Januar 2019. Wagner lobt im Inforadio das Finanzierungsmodell: "Es ist gut, dass das über die Krankenversicherung finanziert wird. Dadurch werden auch die Bewohnerinnen und Bewohner in den Pflegeheimen nicht belastet." Allerdings fielen die ambulante Pflege und die Rehakliniken etwas hinten runter, kritisiert er. Dadurch bestehe die Gefahr eines Wettbewerbs, der es attraktiver mache, sich in Krankenhäusern pflegen zu lassen als in der Rehaklinik oder in der Langzeitpflege.