Eine Altenpflegerin hilft einer Bewohnerin in einem Altenpflegeheim in Eberswalde-Finow aus dem Bett
Bild: imago/photothek

Maßnahmen gegen den Notstand - Was tut die Groko für die Pflege?

Dass der Pflegenotstand bekämpft werden muss, ist weder neu, noch überraschend. Die Große Koalition hat sich deswegen auf einige Maßnahmen geeinigt, die endlich dieses seit Jahren schwelende Problem lösen sollen. Aber sind diese dazu ausreichend? Diese Frage versuchen wir, mit Interviews und Reportagen zum Thema zu beantworten.

Union und SPD haben bei den Koalitionsgesprächen vereinbart: Gegen den Mangel an Pflegekräften sollen Arbeitsbedingungen und Bezahlung in Altenheimen und Kliniken "sofort und spürbar" verbessert werden. Zusätzliche Stellen sollen gefördert werden - in einem ersten Schritt sollen 8000 neue Fachkraftstellen geschaffen werden. Zudem sind vereinfachte Möglichkeiten für vorübergehende Aus- und Erholungszeiten für Angehörige geplant. Pflege-Tarifverträge sollen leichter allgemeinverbindlich erklärt werden können.

Mehr Geld für Pfleger und Angehörige

Zudem soll es eine "Konzertierte Aktion Pflege" geben, um mehr Personal zu gewinnen. Diese umfasst unter anderem eine Ausbildungsoffensive, Anreize für eine bessere Rückkehr von Teil- in Vollzeit, ein Wiedereinstiegsprogramm, eine bessere Gesundheitsvorsorge für die Beschäftigten sowie eine Weiterqualifizierung von Pflegehelfern zu Pflegefachkräften.

Bezahlung in den Pflegeberufen:

Die Bezahlung in der Altenpflege nach Tarif soll gestärkt werden, indem Tarifverträge möglichst flächendeckend zur Anwendung kommen.

Pflegende Angehörige:

Auch Angehörige von Pflegebedürftigen, die zu Hause pflegen, sollen besser unterstützt werden. Leistungen, die ihnen zugutekommen etwa in der Kurzzeit- und Verhinderungspflege oder in der Tages- und Nachtpflege sollen zu einem "jährlichen Entlastungsbudget" zusammengefasst werden. Dieses kann dann flexibel in Anspruch genommen werden. Zudem erhalten Angehörige einen Rechtsanspruch auf eine Auszeit mit Rehabilitation.

Auf das Einkommen der Kinder von pflegebedürftigen Eltern soll künftig erst ab einer Höhe von 100.000 Euro im Jahr zurückgegriffen werden

Interviews und Reportagen

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  • Bewohner in einem Altenpflegeheim in Eberswalde-Finow sitzen beim Mittagessen in dem Essensraum (Bild: imago/Inga Kjer)
    imago stock&people

    Bienstein: "Pflege bleibt weiterhin ein 'Ekel-Thema'"

    Die Pflege alter Menschen hatte im Wahlkampf letztes Jahr zunächst nicht unbedingt Priorität - bis ein junger Pflege-Azubi Kanzlerin Merkel vor laufenden Kameras mit der dramatischen Realität in Krankenhäusern und Pflegeheimen konfrontierte. Von da an war das Thema dann doch wichtig. Christel Bienstein ist Präsidentin des Bundesverbandes für Pflegeberufe. Marie Asmussen sprach mit ihr über Pflege in der Politik, in der Realität und in der Zukunft.

  • Eine Altenpflegerin hält die Hand einer Heimbewohnerin (Bild: dpa)
    dpa

    Harter Alltag im Pflegeheim

    Die Pflege ist eines der Themen, die für unsere Gesellschaft in den nächsten Jahren und Jahrzehnten ohne Zweifel immer wichtiger werden. Im Koalitionsvertrag von Union und SPD steht, dass es bundesweit 8.000 zusätzliche Stellen geben soll. Ob das helfen wird? Sabrina Wendling hat sich im Pflegewohnhaus am Waldkrankenhaus in Spandau angesehen, wie die Realität der Pflegekräfte wirklich aussieht - und hat nachgefragt, was den Alltag der Mitarbeiter und der Bewohner wirklich verbessern würde.

  • Rund 112.000 Menschen in Brandenburg sind auf Pflege angewiesen (Bild: rbb/BA/Wittig)
    rbb/Riccardo Wittig

    Reportage 

    Ambulante Pflege in der Uckermark

    Rund 112.000 Menschen in Brandenburg sind auf Pflege angewiesen. Die meisten von ihnen werden in den eigenen vier Wänden versorgt. 75 Prozent aller Pflegebedürftigen sind das, in der Uckermark sogar noch mehr. Der Tag für die Mitarbeiterinnen der Ambulanten Pflege dort ist straff durchgetaktet, ihre Wege zu den Patienten sind meist lang. Ein Beitrag von rbb-Reporter Riccardo Wittig und Anton Stanislwaski über eine Pflegehelferin der Volkssolidarität im Gartzer Raum.


Golze: "Bundesregierung lässt die Betroffenen alleine"

Doch es gibt auch Kritik an den Plänen, etwa von Brandenburgs Sozialministerin Golze (LINKE). Sie sagte am Dienstag im Inforadio, zwar seien dies alles Schritte in die richtige Richtung - doch am akuten Pflegenotstand werde sich erstmal nichts ändern. Und in der Tat: Rechnet man die 8000 geplanten neuen Stellen auf die rund 13.500 stationären Einrichtungen in Deutschland um, macht das gerade mal etwas mehr als eine halbe Stelle pro Einrichtung. Deswegen fordert Golze von der Bundesregierung, mehr Verantwortung zu übernehmen und sie "nicht auf Kommunen und Betroffene abzuwälzen", so Golze.

Bienstein: "Pflege bleibt ein Ekel-Thema"

Im Wahlkampf zur Bundestagswahl spielte die Pflege alter Menschen hatte zunächst so gut wie keine Rolle - bis ein junger Pflege-Azubi Kanzlerin Merkel vor laufenden Kameras mit der dramatischen Realität in Krankenhäusern und Pflegeheimen konfrontierte. Von da an war das Thema dann doch wichtig - auch bei den Koalitionsverhandlungen. Christel Bienstein ist Präsidentin des Bundesverbandes für Pflegeberufe. Marie Asmussen sprach mit ihr über Pflege in der Politik, in der Realität und in der Zukunft.

"Einen Waldbrand mit der Wasserpistole löschen"

Wie hart der Alltag in einer Pflegeeinrichtung ist, hat Reporterin Sabrina Wendling in ihrer Nahaufnahme beobachtet. Sie hat Pfleger Kevin einen Tag lang bei seiner Arbeit begleitet, bei der er sich manchmal um bis zu 33 (!) Menschen gleichzeitig kümmern muss. Sein Urteil über die Pläner der Groko: "Das ist viel zu wenig. Das ist so, als wolle man einen Waldbrand mit einer Wasserpistole löschen."

Hintergrund: Pflege in Berlin und Brandenburg in Zahlen

*Stand: 2015 Berlin Brandenburg
     
Pflegebedürftige 116.424 111.595
mit vollstationärer Pflege 28.299 24.411
mit ambulanter Pflege 30.313 31.981
ausschließlich durch
Angehörige zu Hause versorgte
Pflegegeldempfänger
57.812 55.203
     
Pflegeheime 385 488
private 200 172
freigemeinnütztige 170 305
öffentliche 15 11
     
Pflegeheimplätze 34.813 29.007
     
Ambulante Pflegedienste
585
697
private
461
456
freigemeinnützige 122 234
öffentliche 2 7
     
Personal 43.515 34.648
Pflegeheime 21.188 18.722
ambulante Pflegedienste 22.327 15.926