Vollmond
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Bild: IMAGO / Cavan Images

- Vollmondige Quatschträume

Viele berichten, dass sie bei Vollmond unruhig schlafen und unglaublich viel träumen. Vor allem unglaublich viel filmreifen Blödsinn, eigentlich müsste man sich das gleich nach dem Aufwachen aufschreiben. Unser Kolumnist Martin Schneider hat genau das getan.

Wenn der Mond über der Lausitz besonders breit grinst, phantasieren meine Frau und ich besonders viel Quatsch zusammen. Und wenn es wirklich stimmt, dass man im Traum all das aufarbeitet, was einen so unterbewusst beschäftigt - tiefe Ängste, heimliche Sehnsüchte - dann sind wir ein Vergnügungspark für Traumdeuter. Oder ein Fall für den Psychiater, kann natürlich auch sein.

Dabei fängt der jüngste Traum meiner Frau ganz harmlos an: Sie sitzt im Programm-Kino, zu ihren Füßen schlummert ein Schaf. Gut, es ist ein Schaf mit Nylon-Strumpfhosen, aber hey, wir sind in der Lausitz. Kann schonmal vorkommen. Allerdings zieht das Schaf nach Filmende die Nylons aus, schnallt sich dafür einen halben Kürbis als Unterhose um, Fahrradhelm auf den Kopf, setzt sich auf ein blaues DDR-Minirad - und düst davon. Was will uns der Autor damit sagen? Und warum winkt das undankbare, wenngleich auch sehr süße, Schaf nicht zum Abschied? Immerhin durfte es mit in die Nachmittagsvorstellung.

Doch auch mein eigener Traum lässt mich fragend zurück und ich warne gleich mal: Wer ein empfindliches Gemüt besitzt, sollte sich kurz die Ohren zuhalten, es wird etwas unappetitlich. Wobei - 1A Trash-Thriller Handlung inklusive Pseudo-Tiefgang dank persönlicher Krise: Es geht um einen Wunderarzt, den Leute besuchen, die schon alles andere vergeblich versucht haben. Denn mein Protagonist besitzt eine besondere Gabe: er kann die Krankheit erschmecken! Dazu muss er nur ein Mini-Stück der erkranken Stelle essen. Das Problem: sein Geschmackssinn stumpft mit jedem Bissen ab, er braucht zur Diagnose immer größere Stücke, es wird eine Katastrophe - auch, weil er Vegetarier ist. ... Dann bin ich aufgewacht. Was für ein Film. Ich nenne ihn: Gewissensbisse.

Zum Traumdeuter traue ich mich nicht. Zum Filmstudio dagegen schon, nehmen sie den Stoff, ich verschenke ihn. Dem Schaf zeige ich den Thriller aber nicht. Es findet solche unrealistischen Handlungen blöd, sagt es.