Krokusse blühen bei Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen auf einer Wiese.
Jan Eifert
Bild: Jan Eifert

- Der Februar-Sommer

Eben war noch tiefster Winter und schon scheint - unter Auslassung des Frühlings - der Sommer vor der Tür zu stehen. Inforadio-Kolumnist Thomas Hollmann geht das eindeutig zu schnell.

Gestern wollte ich schon mit der Badehose zur Arbeit. Dafür ohne Maske. Aber so früh morgens ist es noch empfindlich kühl. Also habe ich die Badehose zurück in den Schrank gelegt. Zumal der Pförtner mich so auch nicht reingelassen hätte - ohne Maske.

Ich komme da gedanklich gar nicht mehr hinterher: Eben hatten wir noch den Wintereinbruch - und jetzt ist Sommer-Überfall. Und das macht auch ganz unten Probleme. Schaufelt man sich mit den Flip-Flops doch den Rollsplit unter die Fußballen. Aber in Schneeschuhen kochen einem die Mauken gleich mal um zwei Nummern ein.

Also reißen sich die Leute mittags im Park die Klamotten vom Leib. In unserem sieht es aus wie auf der Loveparade. So voll! Und überall entblößte Extremitäten, die einem von Hinz und Kunz entgegengestreckt werden. Und bleiben Körperteile doch mal bedeckt, werden die zu Bongo-Geklopfe umhergekreist. Als sei man nicht im Park, sondern bei einem Geburtsvorbereitungskurs. Nur, dass die beiden Damen, die ihre Hüften kreisen lassen, schon lange keine Kinder mehr kriegen können.

Soll man sich darüber nun aufregen? Natürlich nicht. Wir sind schließlich in Berlin. Da gehört Hüft-Exhibitionismus zum guten Ton - wie auch Bongo-Geklopfe. Bong-bong-bong.

Ich befürchte, die Halbnackten gehen nicht wieder zurück in ihre Corona-Verschläge. Die bleiben draußen. Selbst wenn es im März Herbstwetter geben sollte. Denn wenn die ersten Extremitäten erstmal blankgezogen wurden, hat man nur noch die eigene steil ansteigende Kurve im Sinn. Pandemisch gesehen ist ein Februar-Sommer eine einzige Katastrophe.

Morgen soll es 20 Grad werden. Vielleicht ziehe ich doch die Badehose an - zusammen mit den Lammfellhandschuhen.