Verkehrsschild Tempo 30 Luftreinhaltung (Bild: imago/Marius Schwarz)
imago/Marius Schwarz
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- Tempo 30 auf der Kantstraße

Seit Montag, den 5. November gilt auf der Kantstraße Tempo 30. Berlins Umweltsenat testet, ob mit der Geschwindigkeitsbegrenzung der Stickoxidwert runtergeht. Auf ein Jahr ist der Versuch angelegt. Und das wird für unseren Fahrrad fahrenden Kolumnisten Thomas Hollmann eine Belastungsprobe.

Selbst wenn ich voll reintrete, komme ich mit meinem alten Klepper nicht auf 30 Sachen. Allerhöchstens auf dem abschüssigen Stück vom ICC runter. Aber da gilt weiter Tempo 50 – und die alte Taktung. Da springt die Ampel immer auf Rot, wenn man glaubt, man schafft es noch.

Deshalb hatte ich so sehr auf die Grüne Welle gehofft. Dass die vielleicht auch mit 28 km/h zu schaffen ist und ich durchsegeln kann bis zum Zoo. Aber das klappt nicht. Denn was nutzt eine Ampel, die freie Fahrt anzeigt, wenn ein Paketlaster die Spur versperrt? Eben. Und den Laster zu überholen ist in den seltensten Fällen eine gute Idee, weil auch die Autofahrer das verheißungsvolle Kreuzungslicht sehen und deshalb Tempo 30 Tempo 30 sein lassen und den Laster im selben Moment passieren, wie man es selbst tun würde, wäre man im letzten Moment nicht noch in die Eisen gestiegen.

Und hat man doch mal ausreichend Vorsprung, wird man vom ausgebremsten Autofahrer als "dummes Arschloch" charakterisiert. Dafür fährt der Autofahrer extra langsam neben einem her und lässt die Scheibe runter: "Du Wixer!".

Wobei ich sagen muss: Es ist besser geworden. Gestern bin ich die Kantstraße runter ohne einen einzigen persönlichen Anwurf. Vielleicht macht es einen Unterschied, ob man theoretisch 50 hätte fahren können, ehe man steckenbleibt – oder nur 30. 30 verringert möglicherweise das Frustrationspotential.

Das sollte die Umweltsenatorin gleich mal mituntersuchen, ob da ein Zusammenhang besteht zwischen der Höhe der sinnlosen Beschleunigung und des verwendeten Vokabulars. Da wäre der Versuch nicht vergebens gewesen, für den Fall, dass den Stickoxiden Tempo 30 egal ist. Um nicht zu sagen: am Arsch vorbeigeht.

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Mops vor dem Berliner Dom (Bild: imago)

Hundert Sekunden Leben

Renée Zucker und Thomas Hollmann filtern mit wachen Sinnen hundert Sekunden aus dem Leben und stellen sie uns vor: Prägnant, verspielt und auf den Punkt.