Fußgänger auf einer Straße in Bielefeld im Jahr 2009 (Bild: imago/teutopress)
imago/teutopress
Bild: imago/teutopress

- Alles beim Alten - freie Fahrt für freie Bürger

Während sich in den USA das Promi-Karussell um Pro und Contra Trump fleißig weiterdreht, herrscht in heimischen Gefilden Stillstand. Unsere Kolumnistin Renée Zucker hatte eine Vision, aber nur für ganz kurze Zeit. Ganz schnell hat sie die graue deutsche Realität wieder eingeholt.

In den USA ändert sich jeden Tag was. Kaum hatte Taylor Swift gepostet, wie schön und gut es ist, wählen zu gehen - sie würde die Demokraten nehmen - kaum hatte sie das also gesagt, schon verabredet sich Kanye West für heute zum Tete à tete mit Trump und Jared Kushner - der ja nicht einfach nur ein Schwiegersohn, sondern, wie wir seit der noch UN-Botschafterin Nikki Haley wissen, ein "hidden genious" ist -  ein verstecktes Genie - Nobelpreisträger Paul Krugman twitterte sofort: very very hidden. Und während sich in den USA also nahezu stündlich etwas ändert, passiert hier quasi gar nichts.

Obwohl ich kurzzeitig richtiggehend Visionen hatte. Ohne gleich zum Arzt zu gehen. Visionen von leeren, ruhigen Straßen wie seinerzeit zur Ölkrise die autofreien Sonntage. Aber nein, hier wird sich nichts ändern. Vielleicht werden sich noch mehr in den Neben- und Parallelstraßen drängeln, wo jetzt schon alle wie verrückt durch Spielstraßen und 30er-Zonen rasen, um dort nur wieder rauszukommen.

50 Meter hier und 20 dort - freie Bürger haben weiterhin freie Fahrt, egal, womit - die Autoindustrie macht weiter Business as usual, der Senat stellt ein paar Schildchen auf und die Umwelthilfe hakt die nächste Stadt mit überflüssigem Gerichtsurteil ab.

Jedem Wohl und keinem Weh - nicht mal eine lächerliche blaue Plakette - klitzekleinste aller möglichen Lösungen.  Nur die immer gleichen Abwehr: ist schlecht für die Wirtschaft. Dabei ist ganz schlecht für die Wirtschaft, was bekanntlich seit Jahrzehnten nicht funktioniert: die Digitalisierung. VW bescheißt zwar seine Kunden hier, geht aber, um die Autos ans Netz anzuschließen nach China und Seattle. Da verändert sich täglich was.

Hier dagegen: Keine Vision. Keine Idee. Kein Plan. Zurück in die Zukunft.

Zurück zur Übersicht

Mops vor dem Berliner Dom (Bild: imago)

Hundert Sekunden Leben

Renée Zucker und Thomas Hollmann filtern mit wachen Sinnen hundert Sekunden aus dem Leben und stellen sie uns vor: Prägnant, verspielt und auf den Punkt.