Die Angeklagte Beate Zschäpe sitzt im Gerichtssaal im Oberlandesgericht zwischen ihren Anwälten Hermann Borchert (l.) und Mathias Grasel (r.).
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- Nur kurze Genugtuung nach einem Höchststrafenurteil

Am Mittwoch kam das Urteil im NSU-Prozess - die Hauptangeklagte Beate Zschäpe muss lebenslang ins Gefängnis. Inforadio-Kolumnistin Renée Zucker befasst sich deshalb am Donnerstagmorgen mit dem Urteil.

Über die Toten und Verurteilten nichts Schlechtes, aber "lebenslänglich", dieses Wort verschafft einem doch gerade in diesen Tagen eine gewisse Erleichterung, wenn nicht gar Befriedigung. Es erscheint uns richtig und gerecht. Und wenn wir, als – in diesem Fall – Außenstehende so empfinden, dann mögen vielleicht auch diejenigen ein wenig heilsame Erleichterung erfahren, die direkt betroffen sind. Mütter, Ehefrauen, Töchter, Schwestern, Brüder, Väter und Söhne der Ermordeten und Hingerichteten.

Für uns andere geht erst mal nur darum, dass man diese Person nicht mehr sehen muss. Weder von vorn, noch von hinten. Einer der Menschen, die mit und ohne Gesicht die leibhaftige, kontrollierte Gleichgültigkeit demonstrieren können. Ja, wir sind erleichtert über dieses Urteil. Darüber, dass in diesem Staat Recht gesprochen wird. Gerade in Zeiten, da Emotionslosigkeit und Kälte gegenüber Fremden auch unter Politikern Raum greift.

Allerdings ist unser aller Erleichterung nur von kurzer Dauer. Zu viele Ungereimtheiten bleiben unaufgeklärt. Zu viele Verdächtigungen bleiben elefantös im Raum.

Staatliche Beamte, die zum Schutz der Bevölkerung und zur Wahrung der gesellschaftlichen Ordnung verpflichtet sind, sind blind und taub dabei, wenn der Internetcafébetreiber Halit Yozgat in Kassel getötet wird. Ein heute leitender Kriminaldirektor sorgt in Eisenach dafür, dass Beweise unbrauchbar gemacht werden. Geheimdienste verhindern Aufklärung und helfen im Gegenteil Verbrechern unterzutauchen.

Heribert Prantl fordert in der Süddeutschen für den Verfassungsschutz die Höchststrafe – seine Auflösung. Das wäre eine gute Lösung – wenn vorher alle Verantwortlichen  einen Prozess und ebenso gerechte Strafen bekommen hätten wie die  bislang bekannten NSU-Mörder.

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Mops vor dem Berliner Dom (Bild: imago)

Hundert Sekunden Leben

Renée Zucker und Thomas Hollmann filtern mit wachen Sinnen hundert Sekunden aus dem Leben und stellen sie uns vor: Prägnant, verspielt und auf den Punkt.

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