Mesut Özil (l) und Ilkay Gündogan
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- Hauptsache, sie haben's in den Beinen!

Die deutschen Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan haben sich am Sonntag mit dem türkischen Präsidenten Erdogan in London getroffen und ihm bei einem Fototermin mit "für meinen verehrten Präsidenten'" signierte Trikots überreicht. Kolumnistin Renée Zucker fragt sich nun, wie doof Fußballer sein dürfen angesichts dieser kleinen "T-Shirts-für-Despoten-Fotoparty".

Es sieht so aus, als ob sie noch mal Glück gehabt hätten. Wenn ihnen nicht die Petition dazwischen kommt. Vormittags gestartet, hatte sie gestern nachmittag schon 30.000 Unterstützer, die nicht wollen, dass sie mitspielen. Obwohl das nicht wirklich die Frage klärt, wie doof Fußballer sein dürfen. Dabei tröstet der Volksmund schon immer damit, dass, was man nicht im Kopfe hat, in den Beinen sein sollte.

Ganz unbefangen waren die Unbedarften beim Tête à Tête mit einem türkischen Präsidenten, der - selbst für Analphabeten ersichtlich -, gerade sein Land in eine faschistische Diktatur verwandelt.

Der glatte Herr Bierhoff sagt, "wie Türken ticken", und dass sie ganz überrascht vom Aufruhr waren. Nur Fußball ist ihr Leben, ansonsten heißen beide in Wirklichkeit Hase und haben die letzten Jahre in Erdlöchern verbracht.

Bei der Frankfurter Eintracht werden keine Mitglieder mit AfD-Parteibuch geduldet, aber in der Nationalmannschaft dürfen Werbeträger eines Terror unterstützenden, nepotistischen Herrschers sein, der politische Gegner und Journalisten in den Knast bringt?

Sie wollten doch nur T-Shirts bringen - zufällig kurz vor den einberufenen Wahlen. "Für meinen verehrten Präsidenten" krakelt der eine kriecherisch aufs Hemd. Da war der andere schlauer:  Das Foto, das er getwittert hat, war ohne den verehrten Präsidenten. Nur drei Spieler.  "In guter Gesellschaft heute abend" twittert er mit Augenzwinker-Emoji - "honi soit qui mal y pense" - Schande über den, der Schlechtes dabei denkt. Und die Weichei-Deutschen, die machen sowieso nix. War doch nur Spaß.

Er weiß, wie's geht.

Haben sie's gemacht, weil sie nicht wussten, dass man's nicht macht, sind sie doof. Haben sie's gemacht, weil sie überzeugte Präsidentenanhänger sind, sind sie auch doof.

So doof dürfen Fußball-Nationalspieler im Kopf sein. Hauptsache, sie haben's in den Beinen.

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Mops vor dem Berliner Dom (Bild: imago)

Hundert Sekunden Leben

Renée Zucker und Thomas Hollmann filtern mit wachen Sinnen hundert Sekunden aus dem Leben und stellen sie uns vor: Prägnant, verspielt und auf den Punkt.