Themenwagen zu Andrea Nahles beim Rosenmontagszug in Düsseldorf
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- Die SPD in der Klarsichthülle

Wenn die Medien Recht behalten, wird Andrea Nahles am Dienstag auf der Präsidiumssitzung zur neuen SPD-Vorsitzenden gewählt. Zwar erst einmal nur kommissarisch, aber für unseren Kolumnisten Thomas Hollmann geht das dennoch zu weit.

Ich habe nachgezählt: 13. Andrea Nahles wäre der 13. SPD-Chef seit Hans-Jochen Vogel. 13 Vorsitzende in 27 Jahren,- das ist fast so eine Quote wie beim Hamburger SV. Und den wollen auch alle absteigen sehen. Das ist das Schicksal der Chaos-Klubs: Irgendwann ist man das Elend satt – und übrig bleibt Häme.

Wobei die ständigen Trainerwechsel nur das eine Problem der SPD ist, das andere ist ihre Peinlichkeit. Rudolf – ich schmeiß die Gräfin in den Pool – Scharping, Mittelfinger Peer Steinbrück, Kurt Beck, der Vokuhila aus dem Pfälzer Wald, Martin – von 100 auf null - Schulz. Dazu die Gabriels und Lafontaines und Schröders, denen vor lauter Ego die Buxe platzt, weshalb sie ständig Leute meucheln müssen, danach aber trotzdem beleidigt sind.

Warum zieht die SPD nur immer diese Typen an, deren vorrangige Eigenschaft das Fehlen von Stil und Selbstdisziplin ist? Das sollte sich das SPD-Präsidium mal lieber fragen, statt eine Frau zur Vorsitzenden zu wählen, bei der man Angst haben muss, in die Fresse zu kriegen. Oder schlimmer noch: dass sie Pippi-Langstrumpf-Lieder singt. Wenn ich mich fremdschämen will, guck' ich das Dschungelcamp. Dazu brauche ich nicht die SPD.

Die 45 Jahre von 1946 bis 91 ist die Partei im Übrigen mit vier Vorsitzenden ausgekommen: Kurt Schumacher, Erich Ollenhauer, Willy Brandt und Hans-Jochen Vogel. Über den Vogel haben sich die Genossen seinerzeit lustig gemacht, weil der immer alles in Klarsichthüllen steckte. Das wäre heute, glaube ich, anders. Wenn da einer mit einem Leitz-Ordner auftauchen und versprechen würde, Ordnung in den Laden zu bringen, der würde glatt 100 Prozent bekommen. Mindestens.

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Mops vor dem Berliner Dom (Bild: imago)

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Renée Zucker und Thomas Hollmann filtern mit wachen Sinnen hundert Sekunden aus dem Leben und stellen sie uns vor: Prägnant, verspielt und auf den Punkt.