Südkorea, Pyeongchang: Training im Alpensia Biathlon Zentrum
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- "Auf Schnee ist vieles anders"

Am Freitag starten in Pyeongchang die Olympischen Winterspiele. Und Kolumnist Thomas Hollmann findet das erstaunlich, dass sich die Sportwelt die kommenden zwei Wochen um Schnee und Eis drehen wird.

Wenn man sich überlegt, dass die ganz überwiegende Mehrheit der Menschheit noch nie Schnee in der Hand gehabt hat und Eis auch nur als künstlich erzeugten Aggregatzustand kennt, mit dem man Caipirinha und Moskito-Stiche kühlen kann, dann verwundert es doch, mit welch einer Selbstverständlichkeit von den Olympischen Winterspielen gesprochen wird. Als sei es das Normalste der Welt, auf rutschigem Untergrund zu Tal zu stürzen oder wie eine Rakete durch die Eisrinne zu schießen. Nein, das ist nicht normal.

Deshalb betreibt ja auch kaum jemand Wintersport, global gesehen. Weil man durch Wüsten und Savannen zwar rennen kann, aber versuchen Sie dort mal einen Riesenslalom abzuhalten. Und da ist es auch kein Argument, dass vor vier Jahren im subtropischen Sotschi das Olympische Feuer brannte. Das lässt Olympia nur noch zwielichtiger erscheinen, wenn einem Präsidenten gestattet wird, aus seiner Sommer-Residenz ein Wintersport-Disneyland zu machen.

Immerhin lässt der dickbuchsige Mann aus Nordkorea seine Raketen jetzt erst mal im Schrank. Was man als Marketing-Erfolg des IOC werten kann, wenn die Potentaten dieser Welt einst von hinterwäldlerischen Bergvölkern betriebene Zeitvertreibe derart wichtig nehmen, dass sie dafür diplomatische Kreide fressen.

Olympia ist dann eben doch die große Bühne, auf die alle wollen, selbst auf die Gefahr hin, darauf auszurutschen. Klaus Jungbluth Rodriguez war Gewichtheber, bis ihm die Knie kaputt gegangen sind. Woraufhin er das Nationale Olympische Komitee seines Landes überredete, einen Wintersportverband zu gründen. Und jetzt ist Rodriguez der erste Ecuadorianer bei Winterspielen. Der ehemalige Gewichtheber geht im Skilanglauf an den Start. Vorausgesetzt, ihm gelingt der Umstieg von Rollerski auf welchen mit Wachs. Denn eines ahnt der Man vom Äquator: "Auf Schnee ist vieles anders".

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Mops vor dem Berliner Dom (Bild: imago)

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Renée Zucker und Thomas Hollmann filtern mit wachen Sinnen hundert Sekunden aus dem Leben und stellen sie uns vor: Prägnant, verspielt und auf den Punkt.