Laura Schilling (ganz links) mit Johannes B. Kerner beim Semper-Opernball
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- Leben für lau

Kolumnist Thomas Hollmann versucht, eine Klatschmeldung zu verstehen, derzufolge Johannes B. Kerner eine neue Freundin hat, die als "Influencerin" bezeichnet wird. Und das scheint kein neues Krankheitsbild zu sein ...

In der Gala stand: Johannes B. Kerner hat eine neue Freundin. „Sie ist Influencerin und erst 24 Jahre alt.“ Das habe ich nicht verstanden. Das mit den 24 Jahren schon. Glückwunsch. Aber was, bitte sehr, ist eine Influencerin? Hat die junge Frau etwa eine Art Dauergrippe? Oder leidet sie an Blasenschwäche? Das wäre bedauerlich.

Tatsächlich ist das Wort aber nicht dem Lateinischen entlehnt, sondern dem Englischen: to influence, beeinflussen. Bleibt die Frage, wen oder was eine 24-jährige Psychologie-Studentin zu lenken oder zu verleiten vermag? Außer den neuen Freund?

Sie ahnen es; ich bin dann auch drauf gekommen: Es geht ums Virtuelle. Bei Instagram folgen Laura Schilling 61.000 Menschen. Und denen zeigt sich die hübsche Laura am Pool des Marriott und im Schnee von Kitzbühel, und beim Semper Opernball lächelt sie den Außenminister an. Ihr neuer Freund hatte sie dorthin mitgenommen.

Das finden Lauras Follower wahrscheinlich cool, - dass sich da jemand exklusiv durchs Leben schnorrt. Aber weil ihnen die Dreistigkeit dazu fehlt, kaufen sie zumindest das gleiche Tide wie Laura. Denn Laura ist auch Fitnessmodel. Und die Hersteller von Fitnessmode, Abendkleidern und Sonstigem statten die Ich-Inszenierer dieser Ego-Republik gerne gratis aus. So funktioniert das mit dem Influencen. Ein Leben für lau – aber viel schicker als Hartz IV.

Wahrscheinlich sind die Zeiten klassischer Entscheider vorbei, als man erst Vorstandsvorsitzender oder zumindest Staatssekretär werden musste, ehe man irgendwo  eingeladen wurde. Die heutige Qualität ist die Quantität. Sophia Thomalla hat angeboten, sich für 100.000 Likes ein Justin-Bieber-Tattoo stechen zu lassen - und für 200.000 Helene Fischer. Es ist Helene Fischer geworden.

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Mops vor dem Berliner Dom (Bild: imago)

Hundert Sekunden Leben

Renée Zucker und Thomas Hollmann filtern mit wachen Sinnen hundert Sekunden aus dem Leben und stellen sie uns vor: Prägnant, verspielt und auf den Punkt.